Hunger wird immer teurerNiger: 80 Dollar für ein Kind
Als die G-8-Staaten vor zwei Wochen darüber debattierten, wie Hunger in Afrika zu "Geschichte" gemacht werden kann, hatte die nächste Hungersnot bereits begonnen.
Als die G-8-Staaten vor zwei Wochen im schottischen Gleneagles darüber debattierten, wie Hunger und Armut in Afrika zu "Geschichte" gemacht werden können, hatte die nächste Hungersnot bereits begonnen. Und die Welt hatte wieder einmal eine Chance verpasst, frühzeitig zu helfen.
Im afrikanischen Sahel-Staat Niger sind den Vereinten Nationen zufolge mehr als 2,5 Millionen Menschen von einer akuten Hungersnot bedroht. UN-Hilfskoordinator Jan Egeland sorgt sich vor allem um 800.000 Kinder, die unter Mangel- und Unterernährung leiden und keinerlei medizinische Betreuung haben. 150.000 dieser Kinder sind unmittelbar vom Tod bedroht.
"Kinder sterben, während wir sprechen", sagte Egeland in New York. Der UN-Koordinator wirft der internationalen Gemeinschaft Versagen vor. Die jetzige Katastrophe habe sich nach der Heuschreckenplage im vergangenen Jahr und einer Dürre bis weit in diesen Sommer lange abgezeichnet. Frühere Aufrufe zu Hilfsaktionen für Niger seien jedoch ignoriert worden. "Wir hätten dies verhindern können, haben es aber unterlassen", sagte Egeland.
Das Ausbleiben der Hilfe macht die Katastrophe nun teurer. Im Frühjahr hatten die UN die Welt um Spenden für Niger in Höhe von 16 Millionen Dollar gebeten. Nur eine Million ging ein. Inzwischen werde Nothilfe für 30 Millionen Dollar benötigt. Ende 2004 wäre noch ein Dollar pro Kind ausreichend gewesen, rechnet Egeland vor. Jetzt koste die Rettung eines verhungernden Kindes 80 Dollar.
Das Kinderhilfswerk UNICEF rief die Deutschen zu Spenden für Niger auf. Die deutsche Sektion der Hilfsorganisation stellte 200.000 Euro Nothilfe zur Verfügung.