Mittwoch, 11. Mai 2005
"Museumsreife Technologie": Obrigheim geht vom Netz
Als zweites deutsches Atomkraftwerk nach dem Atomkonsens ist am Mittwoch der Meiler im badischen Obrigheim abgeschaltet worden. Das Atomkraftwerk war seit 37 Jahren am Netz und damit das älteste kommerziell betriebene AKW in Deutschland. Vor Obrigheim war bereits der Meiler im niedersächsischen Stade im November 2003 stillgelegt worden. Somit sind noch 17 Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb.
Die rot-grüne Bundesregierung und die Energiewirtschaft hatten sich im Jahr 2000 nach langwierigen Verhandlungen auf einen Ausstieg aus der Atomenergie geeinigt. Dabei wurden auch "Restlaufzeiten" für die Meiler vereinbart. Diese basiert auf der Regellaufzeit eines Atommeilers von 32 Jahren. Der Rückbau des Atomkraftwerks Obrigheim wird 16 Jahre in Anspruch nehmen.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nannte die Stilllegung "ein Zeichen für einen Neuanfang". Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von einem "längst überfälligen und viel zu kleinen Schritt in die richtige Richtung". Vertreter der deutschen Atomkraftlobby sehen hingegen die Kernkraft angesichts der hohen Preise für konventionelle Energie im Aufwind.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) bezeichnete den Atomausstieg als "wirtschaftspolitische Fehlentwicklung, die dem Arbeitsmarkt und dem Energiestandort schadet".
Nach Ansicht Trittins ist Obrigheim mit seiner "museumsreifen Technologie" der übrig gebliebene "Methusalem" der deutschen Atomkraftwerke. In Deutschland habe ein neues Energiezeitalter begonnen. Auch Transporte zu atomaren Wiederaufarbeitung ins französische La Hague oder ins britische Sellafield seien nur noch bis zum 1. Juli 2005 erlaubt. Deutschland werde damit den Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft vollziehen.
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