Sonntag, 24. September 2006
Gerüchte um Bin Laden: Offizielle halten dicht
Nach Frankreich und den USA hat jetzt auch Saudi-Arabien einen französischen Zeitungsbericht dementiert, wonach der Geheimdienst des Landes vom Tod des El-Kaida-Chefs Osama bin Laden überzeugt sei. Das Königreich habe keine Informationen, die den Bericht stützten, erklärte die saudiarabische Botschaft in Washington am Sonntag. Die Angaben in dem Bericht seien rein spekulativ und könnten nicht unabhängig überprüft werden.
Die in Nancy erscheinende Regionalzeitung "L'Est Republicain" hatte am Samstag unter Berufung auf ein Papier des französischen Geheimdienstes berichtet, die saudiarabischen Geheimdienste seien davon überzeugt, dass der Moslem-Extremist Ende August in Pakistan an Typhus gestorben sei. Die Regierung in Paris leitete eine Untersuchung ein, wer das vertrauliche Dokument an die Presse lanciert haben könnte.
Der Zeitung zufolge wurde das Papier auch Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac und Ministerpräsident Dominique de Villepin vorgelegt. Chirac bestätigte den Bericht am Samstag nicht. Der Tod Bin Ladens "ist in keiner Art und Weise bestätigt worden", sagte er nach einem Gipfeltreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin bei Paris.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte vor Journalisten in New York: "Kein Kommentar, keine Kenntnisse." Ein Mitarbeiter der Anti-Terror-Behörde in den USA, der namentlich nicht genannt werden wollte, meinte: "Es ist durchaus möglich, es gab Gerüchte darüber." Bestätigen könne er einen Tod des Moslem-Extremisten aber nicht. In pakistanischen Regierungskreisen hieß es, die Regierung in Islamabad habe von keiner ausländischen Regierung Informationen erhalten, die den Bericht bestätigten.
"Time" berichtet ähnliches
In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Medienberichte und Spekulationen gegeben, wonach Bin Laden tot, schwer verletzt oder schwer krank sei. In der "L'Est Republicain" hieß es: "Die von den Saudis gesammelten Informationen legen nahe, dass der Kopf von El Kaida einem schweren Fall von Typhus zum Opfer fiel, als er am 23. August 2006 in Pakistan weilte". Die saudischen Geheimdienste hätten am 4. September von der Nachricht erfahren. Sie wollten aber noch weitere Daten sammeln, bevor sie eine öffentliche Mitteilung herausgäben.
Das Verteidigungsministerium in Paris will nun klären, wie die Zeitung an den Geheimdienstbericht gelangt sei. Dem Informanten der Zeitung drohe eine Strafe, hieß es.
Derweil berichtete das Magazin "Time" auf seiner Internetseite unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Vertreter Saudi-Arabiens, Bin Laden leide an einer durch Trinkwasser übertragenen Krankheit und sei möglicherweise schon tot. Regierungsvertreter hätten in den vergangenen Wochen etliche Berichte dieser Art erhalten, es gebe aber keine eindeutigen Beweise.
Bin Laden gilt als Drahtzieher der Flugzeuganschläge in den USA, bei denen am 11. September 2001 rund 3000 Menschen getötet worden waren. Der Extremist wird im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet. Er hatte sich in der Vergangenheit mehrfach mit Tonbandaufnahmen an die Öffentlichkeit gewandt und den USA mit neuen Anschlägen gedroht.
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