Gen-Food mit StempelVerbraucher wollen lieber Bio
Seit Sonntag gilt EU-weit Kennzeichnungspflicht für Gen-Food. In Stuttgart demonstrieren rund 10.000 Menschen gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.
Gentechnisch veränderte Lebensmittel müssen ab sofort in der gesamten Europäischen Union gesondert gekennzeichnet sein. Am Sonntag trat eine entsprechende Regelung in Kraft. Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) begrüßte den neuen Umgang mit der Gentechnik: "Damit haben wir wirkliche Wahlfreiheit und können selbst entscheiden, ob wir gentechnisch veränderte Produkte verwenden wollen oder nicht."
Viele Verbraucher wollen offenbar keine gentechnisch veränderten Lebensmittel essen. In Stuttgart demonstrierten am Sonntag mehrere tausend Menschen gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.
Gekennzeichnet werden künftig müssen alle Produkte, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder aus ihnen hergestellt sind. In den deutschen Supermärkten wird sich zunächst jedoch wenig ändern - Produkte, die vor dem Stichtag 18. April hergestellt wurden, dürfen weiter verkauft werden.
Dennoch haben die für die Lebensmittelsicherheit zuständigen Bundesländer scharfe Kontrollen angekündigt. Viele Einzelhändler und Lebensmittelketten wollen weitgehend auf gentechnisch veränderte Produkte verzichten. Umweltschützer kritisieren, dass Fleisch- und Milchprodukte nicht gekennzeichnet werden müssen, auch wenn in der Produktion gentechnisch verändertes Tierfutter eingesetzt wurde.
Zu der Protestkundgebung in Stuttgart kamen nach Angaben der Veranstalter rund 10.000 Menschen. Etwa 250 Traktoren rollten durch die Innenstadt. Zu der Demonstration aufgerufen hatte ein Aktionsbündnis aus Landwirten, Gärtnern, Imkern, Bäckern und Köchen.
Künast rief die Verbraucher zu einer Abstimmung "mit dem Einkaufskorb" über den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft auf. Sie räumte in einem dpa-Gespräch zugleich ein: "Man muss das Kleingedruckte lesen." Wer sichergehen will, keine mit gentechnischen Manipulationen erzeugten Lebensmittel zu essen, sollte laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf Ökoprodukte oder konventionelle Markenfleischprogramme zurückgreifen.
Europaweit lehnen mehr als 70 Prozent der Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. "Das macht die Lebensmittelhersteller vorsichtig", sagte BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Als erste Gen-Foods erwartet er Cornflakes und Popcorn aus Gen-Mais in den Regalen. Auch mit Öl aus manipuliertem Raps oder Soja sowie Ketchup aus Gen-Tomaten sei zu rechnen.
Schärfere Kontrollen zur Überwachung der neuen europaweiten Regeln kündigten Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie Bayern an. Künast kritisierte, dass die Länder im Bundesrat die vorgesehenen Sanktionen bei Verstößen blockiert haben. Ihr Entwurf sah Strafen bis zu 50 000 Euro vor.