Mittwoch, 04. Oktober 2006
Kurnaz berichtet: "Von Deutschen gefoltert"
Der nach mehr als vier Jahren Haft aus dem US-Gefängnis auf Guantnamo entlassene Bremer Murat Kurnaz hat schwere Vorwürfe gegen Bundeswehr und deutsche Geheimdienste erhoben. Er sei von deutschen Soldaten misshandelt worden, sagte er dem "Stern". Zwei Soldaten mit der deutschen Flagge an der Uniform hätten ihn an den Haaren gezogen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, berichtet Kurnaz.
"Wir sind die deutsche Kraft", hätte einer der Männer gesagt. Die Misshandlungen sollen sich im US-Gefängnis im afghanischen Kandahar ereignet haben.
Vorwürfe erhob Kurnaz in dem Interview gegen deutsche Geheimdienste, die ihn beim Besuch in Guantnamo als Informanten anwerben haben wollen. "Und natürlich habe ich zugesagt", sagte Kurnaz. Den gleichen Fehler habe er beim zweiten Besuch noch einmal gemacht, sagte er. "Ich habe sowieso bereut, denen bei den Verhören geantwortet zu haben." Von einem zweiten Besuch ist laut "Stern" bisher nichts öffentlich bekannt geworden.
Das Verteidigungsministerium hat nach Angaben eines Sprechers bisher keine Anhaltspunkte, dass Kurnaz von deutschen Soldaten verhört wurde. Entsprechenden Hinweisen sei sofort nachgegangen worden, sagte der Sprecher am Mittwoch in Berlin vor der Bundespressekonferenz. Das Ministerium werde allerdings eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Vorwürfe einsetzen und dem Verteidigungsausschuss berichten.
Kurnaz war Ende August freigelassen worden und nach Bremen zurückgekehrt. Er war im Dezember 2001 in Pakistan festgenommen und an die US-Behörden als angeblicher Terrorismuskämpfer ausgeliefert worden. Im Januar 2002 kam er nach Guantnamo. Es folgten lange und komplizierte Verhandlungen zwischen Deutschland und den USA.
Schon kurz nach Kurnaz' Rückkehr nach Bremen hatte sein Anwalt berichtet, sein Mandant sei schwerst traumatisiert und gefoltert worden.
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