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Dossier

Freitag, 02. Juni 2006

Weltmacht Deutschland?

40 Prozent sagen Ja

Deutschland ist nach Meinung von rund 40 Prozent der Deutschen eine von mehreren Weltmächten und wird dies auch in der nahen Zukunft bleiben. Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung in insgesamt neun Ländern, die der Rolle der Weltmächte im 21. Jahrhundert nachging.

Dafür wurden Ende vergangenen Jahres insgesamt gut 10.000 Erwachsene in Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Indien, Japan, Russland und den USA befragt. Eine Mehrheit von ihnen erwartet, dass die USA auch in 15 Jahren noch die stärkste Weltmacht sein, aber vor allem gegenüber China deutlich an Macht verlieren werden. Für eine größere Rolle Deutschlands bei der Sicherung internationaler Stabilität sprachen sich nur 23 Prozent aller Teilnehmer, aber 73 Prozent der Deutschen aus. Die Deutschen setzen vor allem auf Europäische Union und Vereinte Nationen.

Die USA sind der Umfrage zufolge derzeit unumstritten und mit großem Abstand die führende Weltmacht. 81 Prozent aller Befragten messen ihnen die Rolle einer Weltmacht zu. Es folgen China (45 Prozent), Japan (37), Großbritannien (33), die EU (32), Russland (27), UN (26), Deutschland (26) und Frankreich (21). Mit 41 Prozent liegt die Selbstwahrnehmung Deutschlands als Weltmacht deutlich über der Meinung in den anderen Ländern. Dies gilt auch für die Frage, wer im Jahr 2020 eine Weltmacht sein wird. Nur 20 Prozent aller Befragten, aber 40 Prozent der Deutschen sehen Deutschland dann als Weltmacht. 73 Prozent der deutschen Teilnehmer wollen eine größere Rolle Deutschlands in der Welt, die dagegen nur 23 Prozent aller Befragten wünschen.

Nach der zusammengefassten Meinung in allen Ländern werden die USA der große Verlierer der internationalen Entwicklung bis zum Jahr 2020 sein: Nur 57 Prozent der Befragten glauben, dass die USA dann noch eine Weltmacht sind. Die USA liegen damit nur zwei Punkte vor China. Es folgen mit weitem Abstand Japan (32 Prozent), die EU (30) und Russland (26), Indien (24), den UN (23), Großbritannien (22), Deutschland (20) und Frankreich (16). Nur 51 Prozent aller Befragten wünschen sich eine stärkere Rolle der USA für Frieden und Stabilität. Die Erwartung, dass die USA auch in 15 Jahren noch Weltmacht sein wird, ist in Deutschland mit 82 Prozent am ausgeprägtesten unter allen neun Ländern.

In Deutschland messen die Befragten der EU und den Vereinten Nationen jetzt und in Zukunft eine besonders große Rolle für Frieden und Stabilität in der Welt zu. Bereits heute nennen mehr der Befragten (75 Prozent) die EU als Weltmacht als China (68), das nur knapp vor den UN (66) liegt. Die EU ist damit nach deutscher Auffassung nach den USA die zweitwichtigste Macht. Im Jahr 2020 liegt die EU aus deutscher Sicht nach den USA und China mit 77 Prozent auf Platz drei der Weltmächte. 84 Prozent der deutschen Befragten wollen eine stärkere weltpolitische EU-Rolle, 83 Prozent größeren UN-Einfluss. Insgesamt wollen nur 33 Prozent eine wichtigere Rolle der EU, die nur in Deutschland, Frankreich und Großbritannien über 30 Prozent bekommt.

Als wichtigste Basis für eine Rolle als Weltmacht sehen die Befragten wirtschaftliche Macht, politische Stabilität und einen leistungsfähigen Bildungs- und Forschungssektor. Militärische Macht kommt erst an siebter Stelle von acht Faktoren. Wichtigste Herausforderung der Weltmächte sind nach Meinung aller Befragten der internationalen Terrorismus (51 Prozent), Armut und Überbevölkerung (44) sowie Probleme bei Umwelt und Klima (44). Das Thema Umwelt liegt in Deutschland auf Platz eins (53). Die Umfrage leitete TNS Emnid Medien- und Sozialforschung.

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