PortraitAnders Fogh Rasmussen
Er gilt als unschlagbar in seinem eigenen Land und ist bekannt für seine aktivistische Außenpolitik. Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen ist neuer NATO-Generalsekretär.
Bei der Abreise zum NATO-Gipfel war sich Anders Fogh Rasmussen seiner Sache eigentlich sicher: Der bisherige dänische Ministerpräsident und künftige NATO-Generalsekretär lud sein Kabinett zum Abschiedsfrühstück ein. "Ich werde nicht wieder in derselben Funktion zurückkommen", sagte er vor dem Abflug nach Straßburg.
Dass er sich dann durch ein schier endloses Wirrwarr von türkischer Blockadepolitik und allerlei Überredungsversuchen von US-Präsident Barack Obama, Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zittern musste, ehe es grünes Licht gab, dürfte den Perfektionisten überrascht haben.
Dreimal wiedergewählt
In Kopenhagen machte sich hörbar Erleichterung breit. Denn der Regierungschef hat in den letzten Monaten nur noch wenig anderes getan, als um Unterstützung für seine NATO-Kandidatur zu werben. Seine konservativ-liberale Minderheitsregierung leidet unter immer schlechteren Umfragewerten, weil der Ministerpräsident für Innenpolitik schon lange wenig Interesse gezeigt hat.
Der passionierte Radler galt nach der Regierungsübernahme Ende 2001 lange als unschlagbar im eigenen Land. Seine Kombination aus betont harter Ausländerpolitik und sozialdemokratisch orientierter Wohlfahrtspolitik kam bei den Wählern so gut an, dass Rasmussen drei Wahlen hintereinander souverän gewann.
Verbündeter im "Krieg gegen den Terror"
Außenpolitisch profilierte sich der Däne als unerschütterlicher Verbündeter beim "Krieg gegen den Terror" in der Ära von Ex-Präsident George W. Bush. Er teilte lange Zeit auch dessen ausgeprägte Skepsis gegen Warnungen vor einer Klimakatastrophe.
Rasmussen führte sein Land 2003 trotz nur knapper Mehrheit im Parlament mit in den Irak-Krieg. Dänische Soldaten setzen ihr Leben in der besonders hart umkämpften Afghanistan-Provinz Helmand ein. "Wir können uns nicht immer hinter anderen verstecken", begründet der Rechtsliberale diese von ihm selbst "aktivistisch" genannte Außenpolitik.
Eine harte Linie fuhr Rasmussen zunächst auch bei den weltweiten islamischen Protesten 2006 gegen Mohammed-Karikaturen in der größten dänischen Zeitung "Jyllands-Posten". Bitten um ein vorbeugendes Gespräch von Botschaftern betroffener Länder wies er brüsk ab. Dieser Konflikt und Dänemarks Dauer-Ruf als harte "anti-islamische" Bastion brachten seine NATO-Kandidatur wegen des türkischen Widerstandes zuletzt noch kräftig ins Wanken.
Thomas Borchert, dpa