Politik
Freitag, 09. April 2010

Zehn falsche Vorurteile: Angela Merkel heißt nicht Angela Merkel

Till Schwarze

Der Moment der Überraschung: Merkel in Oslo.
Der Moment der Überraschung: Merkel in Oslo.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die CDU-Chefin hat keinen Sexappeal, kann nicht Bundeskanzlerin und heißt Angela Merkel: alles Irrtümer. Wir klären auf.

Irrtum Nummer 1: Merkel wird nicht Kanzlerin

Es ist der 18. September 2005, die Elefantenrunde am Abend nach der Bundestagswahl. Gerhard Schröder meint trotz anderslautender Hochrechnungen auch weiterhin Bundeskanzler bleiben zu können. "Es gibt einen eindeutigen Verlierer: Und das ist nun wirklich Frau Merkel", tönt Schröder. "Niemand außer mir ist in der Lage, eine stabile Regierung zu stellen." Und an Angela Merkel gerichtet: "Sie wird keine Koalition mit meiner Partei zustande kriegen. Machen Sie sich da nichts vor." Im Ergebnis tritt Schröder von der politischen Bühne und Merkel zieht als Chefin einer Große Koalition ins Bundeskanzleramt.

Irrtum Nummer 2: Merkel ist humorlos

Heruntergezogene Mundwinkel, biedere Erscheinung, trockene Reden: Das Urteil über die neue CDU-Chefin stand schnell fest - diese Frau hat keinen Humor. Doch zum Glück belehrt uns der ehemalige US-Präsident George W. Bush eines Besseren. In einem Interview bekannte er 2007, dass Merkel nicht nur Führungsbegabung, sondern auch Humor besitze. Das bestätigt neben zahlreichen Ohrenzeugen auch ihr früherer Klimaberater, Hans Joachim Schellnhuber: "Sie ist hochintelligent, lernfähig, von preußischem Arbeitsethos geleitet und völlig unprätentiös. Hinzu kommt ein knochentrockener Humor."

Irrtum Nummer 3: Ihre Heimat ist Mecklenburg-Vorpommern

Das Bild in der Fischerhütte, ihr Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern-Rügen und zuletzt das Mecklenburg-Lied am politischen Aschermittwoch in Demmin: Auf den ersten Blick scheint Merkel ein Kind der Küste zu sein. Aber nein: Die gebürtige Hamburgerin wuchs in Templin im DDR-Bezirk Neubrandenburg auf. Heute gehört Templin zum brandenburgischen Landkreis Uckermark.

Irrtum Nummer 4: "Die kann das nicht"

In Merkel kann man sich leicht täuschen. Der unscheinbare Auftritt, das wenig prätentiöse Gehabe - sie erweckt den Eindruck einer grauen Maus. Das legt auch ihr erster Spitzname nahe, der bis heute nachklingt: Kohls Mädchen. Diesen Namen verdankt Merkel dem früheren CSU-Landesgruppenchef und späteren Postminister Wolfgang Bötsch, wie der Altkanzler einmal persönlich verriet. Auch noch 2005 höhnte Gerhard Schröder über Merkel: "Die kann das nicht." Doch das Mädchen war es, die 1999 den Bruch mit Kohl vollzog. Und was Schröder angeht - noch sitzt Merkel im Kanzleramt.

Irrtum Nummer 5: Merkel hat keinen Sexappeal

Eine Bundeskanzlerin muss nicht sexy sein. Genauso wenig wie ein Bundeskanzler. In der Politik zählen eher die inneren Werte. Doch einmal wollte Merkel allen zeigen, dass sie auch anders kann: Ein einziger Auftritt reichte, um Deutschland und die Welt ins Staunen zu versetzen. Seit dem Opernbesuch in Oslo im April 2008 wird Merkel mit anderen Augen gesehen. Dass sie nicht nur Kostümjacken mit drei oder vier großen Knöpfen besitzt, beweist sie auch Jahr für Jahr bei ihrem Besuch in Bayreuth.

Irrtum Nummer 6: Angela Merkel heißt Angela Merkel

Nein, das ist nicht die ganze Wahrheit. Angela Dorothea Merkel ist ihr vollständiger Name.

Irrtum Nummer 7: Merkel braucht keinen Glamour

Nach dem Brioni-Kanzler Schröder, der sich zu Beginn seiner Amtszeit mit Zigarre und schickem Anzug ablichten ließ und die großen Auftritte liebte, war der Gegensatz zur spröde scheinenden Merkel groß. Trotzdem liebt es die CDU-Chefin, sich auch mal richtig in Schale zu werfen. Etwa, wenn sie die Festspiele in Bayreuth besucht. "Das stahlblaue Seidenkleid oder die Federboa, das hat mir schon Spaß gemacht", verriet sie der Zeitschrift "Emma" 2005. "Einmal im Jahr auftreten, wie ich es nur als Frau kann und wie es Verwunderung auslöst."

Irrtum Nummer 8: Joachim Sauer ist ihr erster Mann

"Ich wollte aus Liebe heiraten", hat Merkel gesagt. Mit der Karriere soll die Hochzeit mit Joachim Sauer nichts zu tun gehabt haben. 1998 gab Merkel ihm das Ja-Wort, im selben Jahr wurde sie Generalsekretärin der CDU. Sauer heiratete damals eine bereits geschiedene Frau. Denn Angela Merkel hieß ursprünglich Kasner. Den Namen Merkel verdankt sie ihrem ersten Mann, dem Physiker Ulrich Merkel. Die Ehe hielt allerdings nur vier Jahre, von 1977 bis 1981 - 1982 wurde sie offiziell geschieden.

Irrtum Nummer 9: Merkel hat ein distanziertes Verhältnis zur Macht

Die CDU-Vorsitzende braucht scheinbar keine Statussymbole, genau so wenig wie die große Show auf der politischen Bühne. "Machtmensch Schröder" wurde ihr Vorgänger im Kanzleramt genannt, seine "Basta"-Politik wurde sprichwörtlich. Merkel mit ihrem moderierenden, präsidialen Stil scheint da auch als Parteichefin ganz anders zu sein. Falsch, meinen Experten. "Angela Merkel ist ein Machtmensch par excellence", sagte der Politikwissenschaftler und ehemalige CDU-Poltiker Gerd Langguth. Und über Merkels Verhältnis zu ihrer Partei sagt der Journalist Dirk Kurbjuweit: "Sie hat die Partei ja wirklich handstreichartig übernommen, und dann eben als Machtinstrument benutzt." Die CDU als Schlüssel zur Macht.

Irrtum Nummer 10: Merkel macht Werbung für eine Autovermietung

Im Jahr 2001 erschien eine große Zeitungsanzeige mit zwei Bildern der CDU-Vorsitzenden. "Lust auf eine neue Frisur?", titelte dort eine Autovermietung. "Mieten Sie sich ein Cabrio." Doch über eine Bezahlung als Werbemodel ist nichts bekannt, wie so oft griff hier ein Unternehmen um der Aufmerksamkeit willen ohne Erlaubnis auf einen prominenten Werbeträger zurück. Merkel störte das nicht. "Das ist ein interessanter Vorschlag für Haar-Styling", kommentierte die CDU-Chefin die Anzeige.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de