Symbolfigur der RAFBrigitte Mohnhaupt
Wenn Brigitte Mohnhaupt bald aus dem Gefängnis entlassen wird, schließt sich für sie ein Kreis: Die einstige Führerin der "Roten Armee Fraktion" wurde vor fast genau 30 Jahren schon einmal aus der Haft entlassen.
Wenn Brigitte Mohnhaupt in sechs Wochen aus dem Gefängnis im bayerischen Aichach entlassen wird, schließt sich für sie ein Kreis: Die einstige Führerin der zweiten Generation der "Roten Armee Fraktion" (RAF) wurde vor fast genau 30 Jahren schon einmal aus der Haft entlassen. Danach beteiligte sie sich an mehreren Morden im "Deutschen Herbst" 1977, für den die Öffentlichkeit sie als Symbolfigur sieht. Die Frage nach dem Umgang mit dieser Vergangenheit stellt sich nach 30 Jahren wieder neu, wie die öffentliche Debatte über ihre Freilassung zeigte. Die heute 56-jährige verurteilte Mörderin ist die Verbindung zwischen der scheinbar fernen Vergangenheit der RAF und der Gegenwart.
Vor 35 Jahren, im Sommer 1972 wurde die Studentin, die Journalistin werden wollte, zum ersten Mal verhaftet. 1971 hatte sie sich der RAF angeschlossen und für sie Waffen beschafft. Dafür wurde sie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen sie die letzten Monate in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim verbrachte, auf einer Etage mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Deren Auftrag gemäß wurde Mohnhaupt nach der Entlassung im Februar 1977 zur Schlüsselfigur der "zweiten Generation" der RAF, nachdem die Führungsfiguren der ersten Generation in Haft saßen oder Selbstmord begingen.
Als neue Chefin stand sie hinter den Attentaten vom Herbst 1977, auch wenn deren genauer Hergang ungeklärt ist. Sie wurde 1985 wegen Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, an Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer verurteilt. Zwischen den Taten und dem Urteil lebte sie im Untergrund. Sie wurde 1978 in Jugoslawien festgenommen. Weil die Bundesregierung aber einen Austausch gegen andere Gefangene ablehnte, durfte sie in ein Land ihrer Wahl ausreisen. 1981 war sie am Attentat auf den amerikanischen General Frederick Kroesen beteiligt.
Keine öffentliche Distanzierung von der RAF
1982 wurde sie in einem Wald in Hessen verhaftet, wo die RAF ein Depot angelegt hatte; fünf Tage später wurde auch Christian Klar gefasst, dessen Gnadengesuch bei Bundespräsident Horst Köhler ebenfalls zur neuen RAF-Debatte beitrug. Im April 1985 erging gegen sie mit fünf Mal lebenslänglich plus 15 Jahren das bisher härteste Urteil. Mit Klar ist sie das am längsten inhaftierte Mitglied der RAF. Wie er zeigte auch Mohnhaupt im Prozess und im Gefängnis keinerlei Reue oder Distanzierung von ihren Taten. Als die verbliebene RAF 1992 einen Gewaltverzicht erklärte, lehnte sie dies ab.
1998 erklärte die RAF ihre Auflösung. Aus der Zeit, die damit zu Ende zu gehen schien, ist Mohnhaupt mit Klar, Eva Haule und Birgit Hogefeld die letzte Gefangene. Ihr Schicksal ragt aus einer fern und fremd scheinenden Vergangenheit in die Gegenwart. Angehörige der Opfer und konservative Politiker haben gegen ihre Freilassung protestiert. Sie fordern Reue oder zumindest eine öffentliche Stellungnahme der Täter zu ihren Taten, was Mohnhaupt und Klar bisher verweigern. Mohnhaupt erklärte, das Thema RAF sei für sie erledigt. Die Bundesanwaltschaft hat ihre Freilassung beantragt. Auch Mohnhaupt soll eine Chance auf Resozialisierung haben. Am Montag kündigte das Oberlandesgericht Stuttgart ihre Freilassung am 27. März an - auf Bewährung.
Markus Krah, Reuters