Donnerstag, 10. Mai 2007
Gordon Brown: Das "Arbeitstier"
Im Gegensatz zu seinem eher EU-freundlichen Vorgänger Tony Blair wird dem designierten britischen Premierminister Gordon Brown keine große Liebe zur Europäischen Union (EU) nachgesagt. Er beschreibt sich selbst als entschlossenen Vertreter britischer Interessen in Europa. So hielt der langjährige Schatzkanzler die Gemeinschaftswährung Euro vom Vereinigten Königreich fern. Doch zusammen mit dem künftigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte Brown die Union zu mehr Strukturreformen drängen. Zudem ist dem 56-jährigen schottischen Labour-Politiker bewusst, dass der Kampf gegen den Klimawandel einer europäischen Lösung bedarf.
Innenpolitisch tritt Brown ein schwieriges Erbe an: Nach zehn Jahren an der Regierung ist seine Labour-Partei verschlissen. Bei den Regionalwahlen in Schottland und Wales sowie den Kommunalwahlen in Teilen Englands liefen Labour und Blair jüngst die Wähler davon.
Hart gegen sich selbst und andere
Im Gegensatz zu Blair, der einst für ein modernes "cool Britannia" genanntes Königreich stand, ist sein Nachfolger eher für einen trockenen Stil bekannt. Seine Materie von Wirtschaft und Steuern eigne sich auch nicht zum Witze reißen, sagte er unlängst der Nachrichtenagentur Reuters. Ausgabenwünsche von Kabinettskollegen bügelte er mit einer Härte ab, die ein Spitzenbeamter als "stalinistische Unbarmherzigkeit" beschrieb. Entscheidungen traf er meist in seinem Küchenkabinett, und seine Gegner werfen ihm mangelnden Charme und Kommunikationsunfähigkeit vor.
Brown gilt seit seinen Studententagen an der Universität Edinburgh – wo er als Hochbegabter schon mit 16 Jahren anfing – als ehrgeiziges, aber auch eigenbrötlerisches Arbeitstier. So ließ er sich bei seinem ersten Irak-Besuch im vorigen November auch von einer harten Landung des Hubschraubers nicht beim Aktenstudium stören. Zu seiner rigorosen Haltung mag ein Sportunfall beigetragen haben, der den 16-Jährigen beim Rugbyspielen ein Auge kostete. Brown lag monatelang im Krankenhaus. Es fehlte nicht viel, und er wäre ganz erblindet. "Wenn Dir Schlimmes widerfährt, ist Entschlossenheit das Wichtigste. Man darf sich nicht von den Ereignissen niederschlagen lassen", gibt der am 20. Februar 1951 in Glasgow geborene Politiker und frühere Journalist als sein Credo aus.
Doch es gibt auch weiche Elemente in Browns Charakter, zu denen auch späte Vaterfreuden beigetragen haben mögen. So kamen ihm Tränen, als er im Fernsehen vom Tod seiner zehn Tage alten Tochter Jane im Jahr 2001 erzählte. Er und seine Frau Sarah haben seither noch zwei Söhne bekommen: John wurde 2003 geboren, sein Bruder Fraser kam voriges Jahr zur Welt.
Seine politische Laufbahn begann Brown auf dem linken Flügel der Labour-Partei. Geprägt hatte ihn damals die Armut in der Arbeiterstadt Kirkcaldy, in der er aufwuchs. Erstmals wurde Brown 1983 ins Unterhaus gewählt und musste sich das Abgeordnetenbüro mit einem anderen Hoffnungsträger teilen -Tony Blair, dessen Nachfolger er nun wird.