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Jaroslaw KaczynskiDer still gewordene Scharfmacher

03.07.2010, 13:24 Uhr
Jaroslaw-Kaczynski
Rund fünf Prozentpunkte lag Kaczynski im ersten Wahldurchgang hinter Übergangspräsident Komorowski. (Foto: REUTERS)

Er gilt als polarisierender Scharfmacher Polens. Ein Image, das Kaczynski abschütteln will, denn sein Ziel ist es, die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Lech anzutreten.

Noch hat Jaroslaw Kaczynski nicht verloren. Jeder dritte Wähler machte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Polen sein Kreuz hinter dem Namen des 61-Jährigen und sprach sich damit dafür aus, dass er das politische Erbe seines tödlich verunglückten Zwillingsbruders Lech antreten soll. Nur etwas mehr als fünf Prozentpunkte lag er im ersten Durchgang hinter dem Favoriten, dem liberalen Übergangspräsidenten Bronislaw Komorowski, der auf 41,54 Prozent kam. Im Wahlkampf um das höchste Amt im Staate, der am 4. Juli in einer Stichwahl entschieden wird, versuchte Kaczynski vor allem eins: Sein Image als spaltender Scharfmacher abzuschütteln.

Kaum ein anderer Politiker im heutigen Polen weckt so heftige Emotionen bei Anhängern und Gegnern wie der erzkonservative Oppositionschef. Sein eigenes Lager bewundert seinen scharfen Verstand und seine unnachgiebige Haltung. Seine Gegner des liberalen und sozialdemokratischen Klientels verabscheuen den kleinen Mann mit dem runden Gesicht so sehr, dass sie ihn früher gelegentlich sogar mit Stalin verglichen.

Der bessere Stratege

Schon als Kind gab der 45 Minuten ältere Jaroslaw den Ton an. Seine Mutter Jadwiga Kaczynska sagte einmal: "Jaroslaw wird immer derjenige sein, der die besseren Strategien wählt". Auch nachdem Jaroslaw Kaczynski im Oktober 2007 sein Ministerpräsidentenamt an den Liberalen Donald Tusk verloren hatte, holte sich sein Bruder im Präsidentenpalast täglich telefonisch bei ihm Rat.

Der polnische Wahlforscher Eryk Mistewicz bescheinigt dem Gründer der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) das Geschick eines "Schachspielers, der mehrere Partien gleichzeitig spielen kann". Der Politologe Mikolaj Czesnik sagte einmal, Jaroslaw Kaczynski habe einen ausgeprägten Sinn für Massenpsychologie: "Er hat gelernt, mit den Gefühlen der Menschen zu spielen, manchmal mit den niedrigsten." Kaczynski könne latente Ängste wecken, anti-europäische Gefühle und Sozialneid.

Leicht verschrobener Hitzkopf

Jaroslaw Kaczynski galt stets als leicht verschrobener Hitzkopf, sein Bruder als versöhnlicherer Staatsmann. Während Lech Kaczynski verheiratet und bereits Großvater war, wohnte Jaroslaw bis zum Einzug in die Residenz des Regierungschefs im Juli 2006 bei der Mutter. Die konnte ihrem Sohn nach dem Tod des Bruders allerdings nicht beistehen, da sie schwerkrank ist und die Nachricht lange Zeit vor ihr geheim gehalten wurde.

Während seiner etwas mehr als einjährigen Amtszeit als Ministerpräsident inszenierte Kaczynski in der Heimat Koalitionskrisen und in der EU Verhandlungsblockaden. Für einigen Wirbel und teilweise gar für Spott sorgte im Juni 2007 seine Forderung, Polen müsste wegen seiner Opfer im Zweiten Weltkrieg ein größeres Stimmengewicht innerhalb der EU erhalten.

Kaczynski kämpft um jede Stimme

Mit seinem polarisierenden Politikstil stieß Jaroslaw Kaczynski zunehmend auf Ablehnung. Als er für Oktober 2007 vorgezogene Wahlen ausrief, verlor er gegen die oppositionelle Bürgerplattform (PO) von Regierungschef Tusk. Auch wenn ihm nun im Rennen um das Präsidentenamt gegen Komorowski eine Niederlage droht, wird der 61-Jährige um jede Stimme kämpfen. "Polen ist unsere gemeinsame große Verantwortung. Es fordert, dass wir unser persönliches Leid überwinden und trotz einer persönlichen Tragödie handeln", teilte Kaczynski mit, als er seine Kandidatur erklärte.

Quelle: Stanislaw Waszak, AFP