"Er war völlig aufgelöst"Drama in Thörey
Drei tote Babys innerhalb einer Woche auf dem gerade erst ersteigerten Grundstück - der Schock sitzt tief bei der jungen Thüringer Familie.
Drei tote Babys innerhalb einer Woche auf dem gerade erst ersteigerten Grundstück - der Schock sitzt tief bei der jungen Thüringer Familie. "Der Besitzer war völlig aufgelöst, als er anrief", sagt Emil Brockmann von der Kriminalpolizei Gotha. Das war am Donnerstag um 13.32 Uhr. Der Mann berichtete am Telefon verstört, er habe zwei weitere Babyleichen auf seinem Gehöft im kleinen thüringischen Örtchen Thörey bei Arnstadt entdeckt.
Kurz zuvor hatte er mit einer Mistgabel einen kleinen Karton angehoben und bemerkt, dass dieser ungewöhnlich schwer ist. Er stach mit dem Werkzeug ein Loch hinein, ein übler Geruch schlug ihm entgegen. Die schlimme Befürchtung hatte sich bestätigt: Eine Woche, nachdem er bei Aufräumarbeiten auf dem verwilderten Anwesen eine Mädchenleiche in einem Plastiksack fand, entdeckte er zwei weitere tote Babys. Seine Frau will nach Polizeiangaben nicht mehr in das kleine gelbe Haus in der Nähe des idyllischen Dorfangers und der kleinen Kirche einziehen.
Nach dem Fund vor einer Woche hatten Polizisten das Gelände mit dem zweistöckigen Wohnhaus auch mit einem Leichenspürhund abgesucht. Dann gaben sie dem Besitzer seine Schlüssel zurück. Der wollte nach dem Fund des ersten toten Babys die Garage ganz abreißen. In einer Zwischendecke, zwischen Dachbalken und Isolier-Wolle versteckt, fand er dabei am Mittwoch zwei kleine Kartons, die in Tüten und mit Klebeband verschnürt waren. Zusammen mit Bauschutt brachte er die Kisten nach draußen und ließ sie zunächst unbeachtet liegen. Doch die beiden Schachteln ließen ihm keine Ruhe.
Seit dem Fund der beiden weiteren Leichen wird das Anwesen in der Pfarrstraße wieder von einem Großaufgebot an Spezialisten durchsucht. Hinter dem Hoftor wurden Betonflächen aufgebohrt, die Jauchegrube ausgepumpt. Auch eine zugemauerte Türöffnung in dem Haus sollte geöffnet werden. Es werde überprüft, ob irgendwo noch weitere Leichen versteckt seien, sagte Brockmann. "Genaues weiß man erst, wenn alles gründlich durchsucht wurde."
Gegen die 21 Jahre alte Mutter der drei toten Babys wurde am Freitagnachmittag Haftbefehl erlassen. Dieser sei allerdings gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, sagte Staatsanwalt Michael Heß. Die Schülerin war noch am Donnerstagabend festgenommen worden und hatte gestanden, mit 16 Jahren auf dem Anwesen in Thörey, das damals noch ihren Eltern gehörte, einen kleinen Jungen zu Welt gebracht zu haben und das Kind dann in der Garage versteckt zu haben. Ein Jahr später habe sie ein Mädchen geboren und es ebenfalls dorthin gebracht. Auf die Ermittler habe die junge Frau bei der Vernehmung einen gefestigten Eindruck ohne psychische Störungen gemacht.
"Die kleinen Körper sind in dem geschlossen Behältnis verfault", sagt Brockmann. Bei einer Obduktion sei bisher keine Todesursache herausgefunden worden, berichtet Staatsanwalt Heß. Auch beim dem Baby, das in der vergangenen Woche gefunden wurde, konnte noch keine Todesursache festgestellt werden. Auch das Ergebnis einer DNA- Untersuchung liege noch nicht vor.
Ob die toten Kinder einen oder verschiedene Väter haben, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. Nach dem Fund des ersten toten Säuglings hatte die 21-Jährige ausgesagt, ein Ex-Freund-sei der Erzeuger. Die Eltern hatten gesagt, nichts von der Schwangerschaft ihrer Tochter bemerkt zu haben. Der arbeitslose Ingenieur und die Krankenschwester wurden erneut als Zeugen befragt. Angaben dazu wollte Heß aber nicht machen. Wenn eine Frau so viele Kinder innerhalb kurzer Zeit zur Welt bringe, sei es kaum vorstellbar, dass es die Familie nichts bemerkt habe, sagt Brockmann. Auch eine ältere Schwester der Schülerin sollte am Donnerstag vernommen werden, sie verweigerte jedoch die Aussage.
Nachbarn beschreiben die Familie als ruhig und zurückhaltend. Die 21-Jährige lebte nach Angaben der Ermittler mit ihren Eltern bis Anfang 2005 in Thörey, danach zog die Familie nach Erfurt. Die beiden älteren Schwestern der Schülerin wohnen mittlerweile im Ilm-Kreis (Thüringen) und in Süddeutschland. Der Vater hatte nach einem Herzinfarkt seinen Job verloren. Das Anwesen in Thörey war daraufhin zwangsversteigert worden - samt der toten Kinder.
Stefanie baumer, dpa