Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
MO 13° / 24°
DI 12° / 21°
Dossier

Dienstag, 10. Januar 2006

Iranisches Atomprogramm: "Drohkulisse hat ausgedient"

Schon zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres hat Teheran Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) ins Land gebeten - doch nicht zur Kontrolle, sondern zur Freigabe seiner Atomanlagen. Im August vergangenen Jahres waren die Siegel in der Uranumwandlungsanlage von Isfahan in Zentraliran entfernt worden. Sechs Monate folgten die Siegel an den iranischen Atomforschungszentren.

Ungeachtet der Kritik und Drohungen des Westens leitet Iran damit eine neue Etappe in seinem Atomprogramm ein, in der auch die Arbeit mit den für die Urananreicherung wichtigen Zentrifugen wieder aufgenommen wird.

"Die nächste IAEA-Sitzung ist erst im März, daher werden die Iraner bis dahin die Sache schon wieder irgendwie rechtfertigen, genauso wie sie das auch mit (der Uranumwandlungsanlage in) Isfahan getan haben", sagt ein europäischer Diplomat in Teheran. In der Tat feiert Teheran die Inbetriebnahme der Isfahaner Anlage als einen ersten diplomatischen Triumph der neuen Atompolitik von Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Der Leiter der Sicherheitskommission im Parlament, Alaedin Borudscherdi, sieht in dem russischen Plan - in Iran produziertes Uran-Hexafluorid in Russland anzureichern - einen internationalen Konsens bezüglich der Anlage in Isfahan, die laut IAEA-Resolution eigentlich nicht wieder in Betrieb gehen sollte. Außenminister Manuchehr Mottaki hat schon das nächste Ziel vor Augen: Die Urananreicherung in der Anlage in Natans.

"Wir haben keine Angst vor den Drohungen, denn mit der Unterstützung des Volkes werden wir unser Atomprogramm konsequent fortsetzen", sagte Ahmadinedschad. Im Notfall will der ultrakonservative Staatspräsident das Volk zu einem "großen Widerstandskampf" aufrufen. Im Gegensatz zu seinem moderaten Vorgänger Mohammed Chatami ist weder Ahmadinedschad noch sein Chefunterhändler Ali Laridschani zu Kompromissen mit dem Westen bereit. Das Bestreben der USA und anderer Staaten, den Fall Iran vor den Sicherheitsrat der Vereinigten Nationen zu bringen, ist für Teheran eine "abgebrannte Drohung". "Der Westen will uns mit dem Sicherheitsrat wie Kleinkinder mit einer Spinne erschrecken", meint Laridschani.

Beobachter in Teheran sehen die aussichtslose Lage im Irak, das Dilemma im Nahen Osten, das Auseinanderdriften Europas und der USA und den wenig effektiven Kampf gegen den Terrorismus als Ursache für das neue Selbstbewusstsein der radikalen Führer in Iran. Eine militärische Option der USA hält Iran in der derzeitigen Lage der Region für unwahrscheinlich, wirtschaftliche Sanktionen für unrealistisch. "Dann gehen wir eben von Plan A (Verhandlungen) zu Plan B über", sagt Laridschani.

Der Chefunterhändler warnt zugleich vor eventuellen Konsequenzen, "die dem Westen mehr schaden würden als Iran". Was genau Teheran unternehmen würde, ist unklar, aber es gilt als nicht ausgeschlossen, dass Iran die Straße von Hormus am Persischen Golf blockieren und damit den internationalen Ölexport behindern könnte. Genauso denkbar wäre die Einstellung jeglicher Kooperation mit der IAEA, wie vom Parlament auch schon als Gesetz verabschiedet. Für den äußersten Fall droht der Gottesstaat mit dem Ausstieg aus dem (ohnehin labilen) Atomwaffensperrvertrag.

Ahmadinedschad will beweisen, dass die Entspannungspolitik seines Vorgängers Chatami in den letzten acht Jahren dem Land nichts gebracht hat. Mit seinen antisemitischen Äußerungen möchte er Iran zum Vorreiter der islamischen Welt machen und der Welt zeigen, dass sich die islamische Welt, unter iranischer Führung, gegen den Westen in jeder Hinsicht behaupten könnte. "Die Drohkulisse des Westens hat ausgedient", sagt Laridschani. Ahmadinedschad geht noch weiter und zitiert, an den Westen adressiert, den ehemaligen Chefprediger der Hamburger Moschee, den inzwischen gestorbenen Ajatollah Mohammed Beheschti: "Seid doch wütend auf uns und geht an dieser Wut zugrunde!"

(Farshid Motahari, dpa)

Artikel versenden

Iranisches Atomprogramm: "Drohkulisse hat ausgedient"

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.