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Empörung in SpanienETA-Terrorist freigelassen

03.08.2008, 16:07 Uhr

Der ETA-Terrorist de Juana verlässt nach 21 Jahren das Gefängnis. Er gilt für viele Spanier als der Inbegriff des ETA-Terrors. Die Angehörigen der Opfer sind entsetzt über die Freilassung.

Mit festen Schritten verlässt Jos Ignacio de Juana Chaos das Gefängnis. Die Hungerstreiks des früheren ETA-Terroristen in der Haft scheinen keine Spuren hinterlassen zu haben. Als der 52- jährige Baske mit einem schwarzen Geländewagen davonfährt, zieht er die Mundwinkel zu einem Lächeln hoch. Die Freilassung des früheren Terroristen der baskischen Untergrundorganisation nach 21 Jahren Haft löste in Spanien eine Welle der Empörung aus. "Der Mörder lächelt, und die Opfer weinen", titelte die Zeitung "ABC" am Sonntag.

De Juana gilt für viele Spanier als der Inbegriff des ETA-Terrors. Er hatte in den 80er Jahren die ETA-Zelle in Madrid angeführt, die eine Autobombe neben einem Bus mit Polizeischülern zündete und ein Armeefahrzeug mit Maschinenpistolen beschoss. In der Haft zeigte er keine Reue. Im Gegenteil: Nach den ETA-Morden an einem Kommunalpolitiker und dessen Frau im Jahr 1998 schrieb er in seiner Haftzelle: "Ich liebe die vom Leid gezeichneten Gesichter der Angehörigen auf den Beerdigungen. Ihre Tränen sind unsere größte Freude."

"Tiefe Machtlosigkeit"

Etwa 200 Angehörige von Opfern des ETA-Terrors versammelten sich am Samstag auf der Madrider Plaza de la Repblica Dominicana. Dort waren am 14. Juli 1986 zwölf Polizeischüler durch eine Autobombe der ETA getötet worden. "Ich empfinde angesichts der Freilassung des Terroristen furchtbaren Schmerz und tiefe Machtlosigkeit", sagte Manuela Lancharro, die bei dem Anschlag ihren Bruder verloren hatte.

De Juana, ein ehemaliger Polizist, hatte als einer der brutalsten ETA-Terroristen gegolten. Wegen der Tötung von 25 Menschen war er 1989 zu mehr als 3000 Jahren Haft verurteilt worden. Er verbrachte aber nur 21 Jahre im Gefängnis. Seine Freilassung verdankte er indirekt der Franco-Diktatur (1939-1975); denn von dieser stammte das Strafgesetz, das eine drastische Reduzierung der Haftdauer ermöglichte. Danach mussten Verurteilte höchstens 30 Jahre Haft verbüßen. Diese Zeit konnte de Juana durch Fernstudien und gute Führung weiter verkürzen.

Diese Regelung wurde vor fünf Jahren geändert, die Reform konnte aber nicht rückwirkend angewandt werden. "Die Freilassung des blutrünstigen De Juana Chaos ist eines der schwärzesten Kapitel in der spanischen Geschichte", meinte die Zeitung "El Mundo". "Die Parteien hätten viel früher die Haftvergünstigungen für Terroristen aufheben müssen." Das Konkurrenzblatt "ABC" spricht von einem "Scheitern des Rechtsstaats".

Weder vergessen, noch vergeben

De Juana wird, wenn die Aufregung um seine Haftentlassung sich gelegt hat, voraussichtlich in der Küstenstadt San Sebastin sein Quartier beziehen. Dort besitzt seine Frau eine Wohnung, die ausgerechnet in einem Viertel liegt, in dem mehrere Angehörige von Opfern des ETA-Terrors leben. Unbekannte schrieben kürzlich auf eine Wand des Gebäudes: "Wir vergessen nicht und vergeben nicht."

Die spanische Regierung plant ein Gesetz, das verurteilte Terroristen nach der Verbüßung ihrer Haftstrafen dazu verpflichten soll, sich von den Familien der Terroropfer fernzuhalten. Dazu trug auch der Fall der Pilar Elas bei, die ihren Mann bei einem ETA- Anschlag verloren hatte. Die Witwe musste miterleben, wie der Mörder ihres Mannes nach seiner Haftentlassung ein Glasgeschäft ausgerechnet im Erdgeschoss ihres Wohnhauses übernahm.

Hubert Kahl, dpa