Scheich Nasrallah im PorträtHeld der Araber, Feind Israels
Scheich Hassan Nasrallah ist seit 14 Jahren Führer der radikal-islamischen Schiitenorganisation Hisbollah. Der 45-Jährige gehört zu den mächtigsten Männern im Libanon.
Für seine Anhänger und viele Araber ist er ein Held. Für Israel ist er seit langem Staatsfeind Nummer eins: Scheich Hassan Nasrallah, seit 14 Jahren Führer der radikal-islamischen Schiitenorganisation Hisbollah. Und es gilt als sicher, dass die israelische Militäroffensive im Libanon gezielt auch ihn ausschalten soll.
Kaltblütig meldete sich der 45-Jährige, der zu den mächtigsten Männern im Libanon gehört, am Donnerstagabend aus seinem Versteck und kündigte "mehr Überraschungen" an. Gleichzeitig verkündete er, die Infrastruktur seiner Organisation sei keineswegs zerstört.
Nasrallah, dessen Name etwa "Sieg Gottes" bedeutet, wird von seinen Anhängern nahezu kultisch verehrt. In der Öffentlichkeit tritt der Generalsekretär der "Partei Gottes" stets in traditioneller schiitischer Kleidung und mit Turban auf. Seine mit großem rhetorischen Talent im Hisbollah-Sender Al Manar und anderen Nachrichtensendern gehaltenen Reden kommen auch bei vielen nicht-schiitischen Arabern gut an. Diplomaten und andere Besucher haben ihn als hochintelligent, scharfsinnig, sehr belesen und - für einen Fundamentalisten unüblich - sogar humorvoll beschrieben.
Der Nimbus Nasrallahs stieg mit den "Erfolgen" der Hisbollah im Kampf gegen Israel. Wenige Wochen nach seinem Amtsantritt 1992 tötete ein mutmaßlicher Selbstmordbomber der Organisation bei einem Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 29 Menschen. Der Abzug der Israelis aus dem Südlibanon im Jahr 2000 wird den Operationen seiner Milizen zugeschrieben. Vier Jahre später erreichte er einen von Deutschland vermittelten Gefangenenaustausch mit Israel. Besonders im Libanon, wo sich viele junge Männer aus der Oberschicht um den Wehrdienst drücken, hatte ihm 1997 der "Märtyrertod" seines 18-jährigen Sohns Hadi hohes Ansehen gebracht.
Nasrallah wurde im August 1960 südlich von Beirut als ältestes von neun Kinder eines armen Lebensmittelhändlers geboren. Schon als Jugendlicher begann er seine politischen und religiösen Studien, die ihn auch in die heiligen Städte Nadschaf (Irak) und Ghom (Iran) führten. Sein Vorgänger an der Hisbollah-Spitze, Abbas Mussawi, wurde im Februar 1992 von einem israelischen Hubschrauber gezielt getötet.