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Bester Fußballclub der WeltIndependiente ist 100

22.03.2005, 10:52 Uhr

Wissen Sie, wer weltweit der erfolgreichste Fußballclub ist? Falsch liegen Sie, wenn Sie an Real Madrid oder den AC Mailand denken. Es sind die "Roten Teufel" aus dem Stadtteil Avellaneda.

15 Sterne umringen das rot-weiße Logo des "Club Atltico Independiente" aus Buenos Aires -einer für jeden internationalen Titel, den der Verein seit seiner Gründung im Januar 1905 gewonnen hat. Damit ist nicht etwa Real Madrid (14 Titel) oder der AC Mailand (11) der weltweit erfolgreichste Fußballclub, sondern es sind die "Roten Teufel" aus dem Stadtteil Avellaneda.

Im 99. Jahr ihres Bestehens trugen die Roten schwarz, aber nicht wegen des mäßigen Platzes 15 in der Liga. Trainer Jos Omar Pastoriza starb wenige Tage vor Saisonbeginn an einem Herzinfarkt. "El Pato" führte Independiente 1984 zur siebten und bisher letzten Copa Libertadores, dem südamerikanischen Äquivalent zur Champions League, und zum Weltpokal gegen den FC Liverpool.

Im April 1982 verlor Argentinien den Krieg gegen Großbritannien um die Falkland-Inseln, der Nationalstolz war stark angekratzt. Zwei Jahre später hebt Jos Percudani in der vierten Spielminute in Tokio den Ball über Liverpools Torhüter Bruce Grobbelaar hinweg zum 1:0. Argentinien feierte mit den Roten um Rekordspieler Ricardo Bochini eine späte Genugtuung.

Elf Jahre früher überwand Bochini am 28. November 1973 in Rom beim Weltpokalfinale Juventus Turins Dino Zoff zum entscheidenden 1:0. Dafür benannte der Verein nach "Bocha" einen Sektor im 57 000 Zuschauer fassenden Stadion. Sein Mitspieler Daniel Bertoni, mit sieben internationalen Titeln ebenfalls rekordverdächtig, erinnert sich: "Nach dem Spiel tranken wir in der Kabine Mate und spielten Truco", das typisch argentinische Kartenspiel.

Neben Bochini und Bertoni brachte Independiente weitere namhafte Nationalspieler hervor. Die Deutschen erinnern sich noch schmerzvoll an Jorge Burruchaga, der in der 84. Minute des WM-Endspiels 1986 in Mexiko-Stadt nach dem 3:2-Siegtreffer gegen Toni Schumacher jubelnd über den Platz hüpfte. Vier Jahre später flog in Rom Pedro Monzn nach einem brutalen Foul an Jürgen Klinsmann vom Platz, Deutschland siegte 1:0.

An einen Nationalspieler der 50er, Ernesto Grillo, der zwischen 1949 und 1957 "immer mit heruntergerollten Stutzen im roten Trikot den Ball verzauberte", erinnert sich der heutige Trainer Csar Luis Menotti besonders gerne. Aus der aktuellen Nationalelf lernten Gabriel Milito und Esteban Cambiasso das Kicken in Avellaneda, beide wechselten aber schon mit 22 Jahren nach Spanien.

"Das ist unser größtes Manko", sagt Menotti, Argentiniens Weltmeister-Trainer von 1978. "Unsere jungen Spieler verlassen den Verein zu früh." Im wirtschaftlich angeschlagenen Argentinien existiert kein Markt für Fanartikel, potente Sponsoren gibt es kaum und nur die Transfererlöse halten den Club über Wasser.

Die "Liebe" zwischen Menotti, zum dritten Mal als Trainer bei Independiente, und den Anhängern der Roten Teufel währt schon lange: "Ich wurde hier immer mit Beifall begrüßt, egal mit welchem Club ich her kam." Die Fans haben ihm sogar verziehen, dass er in der Jugend ein Jahr beim Lokalrivalen Racing gespielt hat.

Bei den organisierten Fans liegen die Roten mit 152 so genannten "Peas", den Fanclubs auf Platz 1. Wirtschaftlich und sportlich steht dagegen die Konkurrenz aus Buenos Aires -River Plate und Boca Juniors -besser da.

Menotti weiß, dass er bei Independiente unter Erfolgsdruck steht: "Wenn wir einen vernünftigen Präsidenten bekommen und Spieler, die sich langfristig an den Verein binden, dann können wir auch wieder einen Titel holen." Im April stehen die Präsidentschaftswahlen an - vielleicht eine erste Etappe auf dem Weg zum 16. Stern.

von Jürgen Ramspeck, dpa