Freitag, 06. Oktober 2006
Rauch über Südostasien: Joggen ist lebensgefährlich
von Hommy Dara, Malaysia
Brandstifter haben in mehreren Provinzen Borneos und Sumatras eine Umweltkatastrophe ausgelöst, die gleich mehrere südostasiatische Staaten betrifft. Thailand, Malaysia, Singapur und Brunei sind in dicken Rauchschwaden gehüllt. Der internationale Flughafen der malaysischen Stadt Kuching ist seit Donnerstag komplett geschlossen, weil Piloten und Flugaufsichtsbehörden eine Landung mit Sichtweiten von unter 200 Metern als zu risikoreich betrachteten. Vereinzelte Landteile gelten als Flugverbotszone. Tags zuvor war eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft Mandala Airlines sogar von der Piste abgekommen. Verletzt wurde niemand.
In ganz Borneo wurden mehrere Schulen geschlossen und die Bevölkerung aufgefordert sich "so wenig wie möglich im Freien aufzuhalten". Ältere Menschen sind gebeten, Schutzmasken zu tragen, die von Apotheken kostenlos verteilt werden. Ebenfalls betroffen ist die Bauindustrie. In Teilen Indonesiens und Malaysias besteht bereits ein totaler Baustopp, weil den Bauarbeitern nicht zuzumuten ist, bei diesen Luftverhältnissen zu arbeiten. Mediziner vergleichen eine Stunde im Freien mit dem Rauchen von etwa 100 Zigaretten. Sportliche Aktivitäten - wie beispielsweise Joggen - werden mittlerweile als "lebensgefährlich" eingestuft.
Der Stadtstaat Singapur hat sich offiziell bei der Regierung in Jakarta darüber beschwert, dass die indonesische Regierung zu wenig gegen Brandstiftung und illegale Brandrodung unternehme. Jakarta wiegelt jedoch ab und antwortet, die Regierung habe sogar die Todesstrafe auf Brandstiftung eingeführt.
Noch schärfere Worte sind aus Malaysia zu hören. Hier erwägt die Regierung, den Fall der brennenden Wälder vor die UNO zu bringen. Ein Regierungssprecher sprach von einer "Ausräucherung". Ferner müsse geklärt werden, wer den Schaden ersetze, den die Industrie erleide. Besondere Empörung unter den Nachbarn Indonesiens hat eine Erklärung Jakartas ausgelöst, welche den Nachbarn die "Einmischung in innere Angelegenheiten" vorwirft. Malaysia und Singapur hatten Indonesien aufgefordert, qualifizierte Feuerwehrleute zur Löschung der Feuer in das Land zu lassen. Dies war, wie schon in den Jahren zuvor, abgelehnt worden.
Die Umweltaktivisten von Greenpeace unterstützen ein mögliches Vortragen des Sachverhaltes vor den Vereinten Nationen. Aus Protest über die angebliche Duldung der Brandrodung hüllten Aktivisten das Ministerium für Urwald- und Landwirtschaftsfragen in Jakarta mit Trockeneis in ein undurchsichtiges Rauchgewand.
Der Konflikt um Brandstiftungen in Indonesien wird nun erstmals politisch. Denn der Streit ist alles andere als neu. Seit etwa zehn Jahren brennen die Wälder von Sumatra und Borneo und verursachen insbesondere in der tropischen Trockenzeit unerträgliche Luftwerte. Das Motiv der Brandstifter ist, fruchtbares Getreideland durch illegale Brandrodung zu gewinnen. Die Wälder von Borneo, immerhin die drittgrößte Insel der Welt, gelten nach dem Amazonas als "grüne Lunge" der Erde.