Vor der RäumungJung und Alt bei den Blockaden
In diesem Jahr gibt es in der Region Gorleben mehr Protestaktionen als beim vorangegangenen Transport 2006, auch die Blockaden im Wendland sind massiver.
Hunderte Demonstranten wollen den Atommüll-Transport nach Gorleben noch auf den letzten Kilometern aufhalten. Ihre Chancen, die Tieflader mit den Atombehältern tatsächlich zu stoppen, sind schlecht. Die Polizei hat angekündigt, die Strecke rechtzeitig zu räumen.
Strohsäcke und Wärmefolien liegen auf der Straße, dazwischen stehen vom böigen Herbstwind gebeutelte Zelte. Junge und alte Atomkraftgegner lagern auf einer Länge von rund 400 Metern direkt vor der Einfahrt zum Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Die Polizei zählt knapp 1000 Menschen bei der Sitzblockade. Der 70-jährige Pit Lof mit grauem Bart und Nordic-Walking-Stock sagt: "Wir sind darauf vorbereitet, bis zum Abend auszuharren." Mit seiner Frau kommt er aus Schleswig-Holstein. Seit 1996 sind beide engagierte Atomkraftgegner.
Unterdessen bereiten die Polizisten die Räumung vor. Bis zum Nachmittag sollen die Straßen frei sein. Dann rechnet die Polizei damit, dass die Lastwagen mit den elf Atommüll-Behältern abfahrbereit sind. Absperrgitter werden aufgestellt. Schwere Räumfahrzeuge und Wasserwerfer sind postiert, Straßen abgeriegelt. Überall auf den Feldwegen patrouillieren Polizisten. Im ganzen Wendland herrscht seit Tagen Ausnahmezustand.
Gerade auf der letzten 20 Kilometer langen Straßenetappe der hoch radioaktiven Fracht versuchen die Demonstranten, die Strecke zu blockieren. Wenige Kilometer vor dem Zwischenlager ist es der Bäuerlichen Notgemeinschaft gelungen, zwei gelbe Betonpyramiden auf der Straße abzusetzen. Insgesamt acht Menschen haben sich angekettet.
In dem Örtchen Quickborn, einem idyllischen Fachwerkdorf, versperren Landwirte mit ihren Traktoren die Straße. Die Trecker stehen ineinander verkeilt, bei einigen sind Räder abmontiert, um zu verhindern, dass die Polizei sie wegfährt. Die Demonstranten sind müde und verunsichert. Der Transport hat mehr als zwölf Stunden Verspätung, aber die Polizei scheint es nicht eilig zu haben. Sie versucht, die Bauern in Gesprächen dazu zu bewegen, die Straße freiwillig zu räumen.
Zwei Strecken gibt es ins Zwischenlager und beide müssen frei sein, bevor der Transport die Verladestation Dannenberg verlässt, glaubt Bauer Matthias Schulz. "Das wäre neu, wenn sie nicht beide Strecken freimachen würden."
In diesem Jahr gibt es in der Region Gorleben mehr Protestaktionen als beim vorangegangenen Transport 2006, auch die Blockaden im Wendland sind massiver. Wasserwerfer und Räumpanzer werden in Stellung gebracht, Hundertschaften der Polizei eilen im Laufschritt die Wege entlang, Helm und Schlagstock baumeln an ihren Gürteln. Dass die Räumung nur noch eine Frage der Zeit ist, wird am Mittag spätestens bei der dritten Ankündigung des Polizei-Lautsprecherwagens zur Gewissheit.