Archiv

"Extremer Tiefstand"Krankenstand auf Rekordtief

20.06.2005, 15:11 Uhr

Noch nie seit Beginn der Statistik waren die Arbeitnehmer so selten krank. Allerdings steigt der Anteil der psychischen Erkrankungen.

Der Krankenstand in Unternehmen ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Beginn der 70er Jahre zurückgegangen.

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten sanken 2004 im Schnitt auf 13 Kalendertage, teilte der Bundesverband der Betriebskrankenkassen am Montag in Berlin mit. Im Jahr 2003 seien es noch 13,5 Tage gewesen. Der Höchststand in der seit 1976 geführten Statistik stamme aus dem Jahr 1990 mit 25 Fehltagen. Der Krankenstand habe sich seither halbiert und sei auf einen "extremen Tiefstand" gesunken.

Nach Darstellung der BKK sind zudem immer mehr Beschäftigte gar nicht erst krankgeschrieben. Im Jahr 2000 seien 40 Prozent der Beschäftigten keinen einzigen Tag im Jahr arbeitsunfähig gewesen. Im Jahr 2004 sei der Anteil der Arbeitnehmer ohne Krankenschein auf 44 Prozent gestiegen.

Leicht zugenommen hätten Kurzzeiterkrankungen von bis zu drei Tagen. Sie machten inzwischen 35 Prozent der Fälle aus, im Jahr 2000 seien es noch 32 Prozent gewesen. Allerdings bleibe ihr Anteil an Krankheitstagen mit nur sechs Prozent sehr gering. Entscheidend für die Höhe des Krankenstandes seien Langzeitfälle mit mehr als sechswöchiger Krankheitsdauer. Obwohl diese 2004 nur vier Prozent der Fälle ausmachten, verursachten sie 41 Prozent der Krankheitstage.

Kurzkrankheiten betreffen den Angaben zufolge eher Angestellte von Banken, Versicherungen und Lehrer; Langzeiterkrankungen gebe es vor allem in der Bauwirtschaft und bei Verkehrsbetrieben. In der Bauwirtschaft werde nahezu die Hälfte des Krankenstandes durch Langzeitfälle verursacht.

Die meisten Krankheitstage verursachten Muskel- und Skeletterkrankungen (27 Prozent), gefolgt von Atemwegserkrankungen (16 Prozent) und Verletzungen (15 Prozent). Mit mehr als acht Prozent der Krankheitstage stünden psychische Störungen bereits an vierter Stelle. Bei den Frauen stehe diese Krankheitsursache mit elf Prozent sogar an dritter Stelle (Männer: sechs Prozent). Gegenüber 1990 habe sich der Anteil der psychischen Erkrankungen mehr als verdoppelt.