Eltern oder HeimKritik an Bremer Vorgehen
Nach dem Fund der Leiche des zweijährigen Kevin im Kühlschrank seines drogenkranken Vaters sind die Behörden in Bremen in die Kritik geraten.
Nach dem Fund der Leiche des zweijährigen Kevin im Kühlschrank seines drogenkranken Vaters sind die Behörden in Bremen in die Kritik geraten. In der Hansestadt sei es offizielle Linie, Kinder eher bei ihren drogenabhängigen Eltern zu lassen, sagte die Leiterin des Bremer Kinderschutzzentrums, Petra Stern, der Deutschen Presse-Agentur. "Ich sehe die derzeitige Praxis mit großer Skepsis." Sie favorisiere besonders im Fall von Heroinabhängigen wie Kevins Vater die Unterbringung der Kinder in Heimen oder bei Pflegefamilien.
"Das ist allerdings wesentlich teurer", sagte Stern. Die Idee hinter der Bremer Kinderschutzpolitik sei, dass süchtige Eltern besser als gar keine Eltern seien. Gerade Junkies hielten sich aber oft nicht an die Auflagen und Termine. "Man braucht viel Arbeitskapazität, um da hinterher zu sein."
Besonders tragisch an Kevins Tod sei, dass die Vormundschaft bereits dem Vater entzogen gewesen sei und die Verantwortung für das Kind beim Amt gelegen habe. Dennoch hatten die Behörden das Kind nach eigenen Angaben seit Juli nicht mehr gesehen. "Wir haben hier unglaublich viele Fälle pro Sachbearbeiter", sagte Stern. Bei Drogenabhängigen sei aber ein "besonders waches Auge" gefragt. "Wenn die Eltern nicht entgiftet und clean sind, sollten die Kinder nicht bei ihnen leben." Im aktuellen Fall hatten die Behörden darauf verwiesen, dass der Vater ein Methadon-Programm absolvierte.
Polizisten und städtische Beamte hatten die Leiche des Kindes am Dienstag im Kühlschrank in der Wohnung des Vaters entdeckt, als sie ihm das Kind entziehen wollten. Ein Gericht hatte dies eine Woche zuvor angeordnet.