Islamkonferenz startetKritik und hohe Erwartungen

Ist die DIK II schon vor ihrem Beginn gescheitert? Einige Verbände sagten die Teilnahme ab: Ein guter Start sieht anders aus. Dabei ist die "To Do"-Liste lang und die Hoffnung groß.
Einiges Porzellan ist schon zerschlagen. Noch bevor die Islamkonferenz am 17. Mai in einer großen zweiten Auflage an die Arbeit geht, knirscht es kräftig. Auf muslimischer Seite krempeln weniger Vertreter die Ärmel hoch als geplant. Ein Dachverband - der Islamrat - durfte nicht mehr teilnehmen, ein anderer - der Zentralrat der Muslime (ZMD) - wollte nicht mehr und stieg kurzfristig und im Ärger aus.
Die Erwartungen an die "DIK II" sind hoch. Zugleich meinen aber Kritiker, die Konferenz habe schon vor ihrem offiziellen Start eine Bruchlandung erlitten. Sie werde Probleme im Zusammenleben von Muslimen und Mehrheitsgesellschaft nicht lösen, der Integration sogar schaden, behaupten andere.
Ringen um Themen und Teilnehmer
Die DIK II mit 17 staatlichen und 17 muslimischen Vertretern baut auf den Ergebnissen der 2006 ins Leben gerufenen DIK I auf. Sie will in den kommenden drei Jahren die praktischen Fragen des Zusammenlebens und der Integration in den Mittelpunkt stellen. Schon um die Auswahl der Themen und die personelle Besetzung der Berliner Runde wurde gerungen, vor allem die islamischen Verbände waren unzufrieden. Der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) und die Türkisch-Islamische Union Ditib, beide aus Köln, sagten erst nach einigem Zögern "Ja" zu einer DIK-Teilnahme.
"Die Konferenz steht unter einem schlechten Stern, seit Thomas de Maizière übernommen hat", meint Grünen-Chef Cem Özdemir. Der CDU-Innenminister habe das Thema heruntergestuft, weil es auf diesem "steinigen Feld" viel Ärger, aber wenige Lorbeeren zu gewinnen gebe. Die DIK II sei gescheitert, bevor sie begonnen habe, urteilt Özdemirs Parteifreund Volker Beck. Aydan Özoguz, Integrationsbeauftragte der SPD-Fraktion, warnt, die Konferenz dürfe nicht zur Alibi-Nummer werden und bloß der "Symbolpolitik der CDU" dienen.
ZMD sieht Themen ausgeklammert
Für Wirbel und Kritik sorgte der Zentralrat der Muslime (ZMD/Köln), der vor wenigen Tagen ausstieg, weil er die Themen Islamfeindlichkeit und Angst vor dem Islam, aber auch die Frage nach einer Anerkennung der Dachverbände als Religionsgemeinschaft ausgeklammert sah. Auch Bekir Alboga von der Ditib sagt, man habe sich im Vorfeld mehr Absprache und Zusammenarbeit gewünscht. "Bezüglich der zusätzlichen Teilnehmer und Themen, die wir gerne dabei haben wollen, werden unsere Gespräche noch fortgesetzt werden."
Kurzfristig hinzugenommen wurden auf Verbandsseite noch der Zentralrat der Marokkaner und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken. Der für den ZMD reservierte Stuhl bleibt vorerst leer. Zehn verbandsunabhängige muslimische Einzelpersonen nehmen Platz, etwa die Rechtsanwältin Gönül Halat-Mec oder der Soziologe Turgut Yüksel. Nur rund 20 Prozent der Muslime in Deutschland sind religiös orientiert - das soll sich im Gremium widerspiegeln.
Ein Ministeriumssprecher betonte kurz vor dem Start: "Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit der DIK II und sollten die Zusammensetzungsdebatte jetzt hinter uns lassen." Zu tun ist genug: Diskussion über das Kopftuch, Geschlechter-Gerechtigkeit, Ausbildung von Imamen, muslimischer Religionsunterricht an deutschen Schulen, gemeinsames Vorgehen gegen islamistische Bestrebungen, Bau und Betrieb von Moscheen, Vermeidung von Parallelgesellschaften. Die "To Do"-Liste ist lang, erwartet und erhofft wird viel.
Hoffnung und Skepsis
Auch die Islamkritikerin Necla Kelek sagte jüngst, sie verspreche sich einiges von der Konferenz mit Schwerpunkten wie Gleichberechtigung der Frau. Die Dachverbände verbreiten nach Ansicht der Soziologin einen "rückständigen Islam", trügen Mitschuld, dass die Integration bisher nicht geklappt habe. Mina Ahadi, Chefin des Zentralrats der Ex-Muslime, zeigte sich nach der ersten Berliner DIK skeptisch, ebenfalls mit Blick auf die Verbände: "Die islamischen Organisationen mit ihrem Kopftuch-Gebot oder ihren Einschränkungen für Mädchen haben noch mehr Einfluss bekommen, das leistet der Parallelgesellschaft Vorschub."