Präsidentenwahl im KongoMenschen fürchten um ihr Leben
Marodierende Rebellen und Milizen können die Stimmabgabe im Kongo für die Bewohner abgelegener Landstriche zu einem unkalkulierbaren Risiko machen.
Vor der Präsidenten- und Parlamentswahl in der Demokratischen Republik Kongo am Sonntag fürchten viele Menschen im Osten des Landes um ihr Leben. Marodierende Rebellen und Milizen könnten die Stimmabgabe für die Bewohner abgelegener Landstriche zu einem unkalkulierbaren Risiko machen. "Wir leben in Angst", sagt Rita Mikindu, eine Frau aus Walikale im Distrikt Nord-Kivu, gut 100 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Goma an der Grenze zu Ruanda. "Diese Leute berauben uns, sie töten uns und sie vergewaltigen uns."
Ungeachtet des 2003 geschlossenen Friedensabkommens, das den Krieg in dem zentralafrikanischen Land offiziell beendete, werden große Teile des Ostens noch immer von bewaffneten Gruppen terrorisiert. Während der 1998 begonnene Kämpfe, an denen sechs Nachbarstaaten beteiligt waren, starben fast vier Millionen Menschen - die meisten durch Krankheiten und Unterernährung.
Die Bewohner schwer zugänglicher Gegenden berichten, sie seien ständig der Gefahr von Angriffen der Rebellen ausgesetzt, die sich im dichten Urwald verstecken. So sagt Mikindu, mehrere nahe gelegene Dörfer würden von der FDLR kontrolliert, einer ruandischen Hutu-Rebellengruppe, deren Kämpfer zum Teil an dem Genozid in Ruanda von 1994 beteiligt waren.
Auch den Wahlkampf behinderten die Rebellen. Manche Präsidentschaftskandidaten wagten sich nicht auf die Straße, weil sie befürchteten, unter Beschuss zu geraten. Am Donnerstag wurden zwei Wahlkampfhelfer im Virunga-Nationalpark von Unbekannten erschossen, was zu wütenden Protesten in der Stadt Kiwanja in Nord-Kivu führte. Insgesamt fielen mindestens neun Menschen im Ostkongo der Gewalt vor den Wahlen zum Opfer, die von vielen Menschen den Rebellen und Milizen angelastet wird.
"Einige Kandidaten, die in die von der FDLR kontrollierten Gebiete hinein wollten, wurden abgewiesen oder mussten um Erlaubnis bitten", berichtet Kongo-Experte Jason Stearns von der International Crisis Group. Andere wagten sich wegen Todesdrohungen nicht aus der vergleichsweise sicheren Provinzhauptstadt Goma. Einer von ihnen ist Kiabantu Pilipili. "Ich will niemanden treffen und mit niemandem sprechen", sagt der Politiker.
Soldaten der kongolesischen Armee, die 17.000 im ganzen Land stationierten UN-Blauhelme und Polizisten werden aufgeboten, um am Sonntag Gewalt verhindern. "Wir sind hier, um die Wahlen zu unterstützen", sagt etwa der pakistanische Major Alamgeer, der eine UN-Einheit in Shabunda in der Provinz Süd-Kivu befehligt. Doch die Einwohner sagen, der Schutz reiche kaum über die Stadtgrenze hinaus.
(Von C. Bryson Hull, Reuters)