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SchlafstörungenMorgens im Schlaflabor

29.04.2005, 12:42 Uhr

Nach einer aktuellen Studie leidet in Deutschland fast jeder Zweite unter Schlafstörungen. Ein Blick ins Schlaflabor der Charit Berlin zeigt, wie geholfen werden kann.

Von Tania Greiner

8.00 Uhr, 17. Etage im Charit-Hochhaus, Berlin. In einem kleinen Raum flimmern zwei Computerbildschirme. Spitze Wellen, runde Kurven, mal dünner, mal dicker, vermitteln den Eindruck eines energetisch aufgeladenen Bildes. „Diese Diagramme geben uns Einblick in die Schlafarchitektur eines Patienten“, erklärt Giso Peter, Arzt des Schlafmedizinischen Zentrums der Charit. Jeden Morgen entschlüsselt der 28-Jährige die Schlafdiagramme seiner Patienten, um ihren schlaflosen Nächten ein Ende zu bereiten.

Nach einer aktuellen Studie leidet in Deutschland fast jeder Zweite unter Schlafstörungen. Mit dem Alter nehmen die Beschwerden deutlich zu. Während Frauen häufiger über Einschlafprobleme klagen, leiden 90 Prozent der behandlungsbedürftigen Männer unter Atemaussetzern im Schlaf, auch Schlafapnoe genannt.

Bei Martin Schneider, der nun die zweite Nacht im Schlaflabor verbracht hat, kann der Schlafmediziner heute endlich einen tiefen und erholsamen Schlaf feststellen. Als der 52-Jährige vor einem halben Jahr zu ihm kam, war das anders. Die Diagnose lautete: eine mittelschwere Apnoe. Anhand der Aufzeichnungen, der so genannten Polysomnografie, konnte Peter im Durchschnitt 23 Atemaussetzer in einer Stunde zählen. Die Folge: Jedes Mal sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Es kommt zu einer Weckreaktion, die dem Schlafenden den erholsamen Tiefschlaf raubt. „Obgleich sich der Körper immer wieder selbst rettet, schwebt der Betroffene in höchster Gefahr. Denn das Herzkreislauf-System ist permanent gestresst“, so Peter.

9.00 Uhr. Der Arzt besucht seinen Patienten. „Ich bin ein neuer Mensch“, strahlt Martin Schneider. Er fühle sich ausgeruht und vor allem wieder sicher, lässt er den Arzt mit sichtbarer Erleichterung wissen. Ein kleines Gerät, um das sich ein langer Plastikschlauch mit einer Maske am Ende windet, hat seine Leidensgeschichte beendet.

Die Lösung ist simpel. Über die Maske atmet der Patient Luft mit leichtem Überdruck ein. So wird der Rachen offen gehalten. Denn im Schlaf erschlaffen die Muskeln. Der Schlund hat dann bei Apnoikern keine ausreichende Spannung mehr, der Rachen verengt sich oder fällt ganz in sich zusammen. „Ich fühlte mich tagsüber immer müde, zwei Jahre lang ging das so. Bis meine Frau meine Müdigkeit und meine Schnarchgeräusche nicht mehr ertrug“, erinnert sich Herr Schneider. Es ist nicht selten, dass Patienten ihre Schlafstörung jahrelang mit sich herumtragen, ohne den Hausarzt zu unterrichten. Die wenigsten wissen, dass man bei nicht erholsamem Schlaf auch einen Schlafmediziner konsultieren kann. Dort werden nicht nur einfach Schlafmittel verschrieben, sondern der Arzt erstellt einen individuellen Therapieplan.

Martin Schneider erhielt schon nach seinem ersten Besuch ein einfach zu bedienendes Gerät, das in der nächsten Nacht sein Schlafverhalten im eigenen Bett aufzeichnete. Dazu werden Sauerstoffsättigung im Blut, Herzfrequenz, Atemfluss und Beinbewegungen im Schlaf gemessen. Nachdem die erschreckende Diagnose gestellt war, lebte der Versicherungsvertreter zwar nicht mehr in Unwissenheit. Der Schlafmediziner konnte ihn jedoch nicht sofort behandeln. „Patienten warten bei uns 1-6 Monate bis ein Schlafplatz im Labor frei wird“, bedauert Giso Peter. Aber nur im Schlaflabor können Schlafstadien analysiert und Aussagen über die Schlafqualität getroffen werden. Denn dort zeichnen Elektroden auch Hirnströme, Augenbewegungen und Muskeltonus auf. In der Regel sind zwei Labornächte notwendig, um wie bei Herrn Schneider das Atemdruckgerät auf das Patientenbedürfnis abzustimmen.

10.30 Uhr. Patientensprechstunde. Auf einer Liege sind die Akten aufgereiht. Eine große Bahnhofsuhr zeigt jede verstrichene Minute mit einem lauten Klack an. „Schlafen Sie manchmal ungewollt am Tag ein? Wann gehen Sie zu Bett? Haben Sie Gedankenkreise vor dem Einschlafen?“, routiniert klopft der Schlafmediziner beim Erstgespräch wichtige Punkte zu Schlafverlauf und -verhalten des Patienten ab. Peter fordert jeden Patienten auf, den eigenen Schlaf zu protokollieren. „Die Gründe für eine Schlafstörung sind oft sehr individuell. Aber häufig stören depressive Verstimmungen, ruhelose Beine, Schlafapnoe oder Missbrauch von Alkohol und Medikamenten den Schlaf.“ Eine schlafmedizinische Behandlung kann manchmal Jahre dauern. Denn wer sein Leben lang eine schlechte Schlafhygiene betrieben hat, der muss mühsam ein neues Verhalten lernen.

Und wie steht es um Ihren Schlaf, Herr Peter? „Um leistungsfähig zu sein, brauche ich schon so meine sieben Stunden Schlaf“, gesteht der Arzt. Am Tag bleibt ihm vermutlich keine Zeit für den so genannten „Power Nap“. So nennen Schlafmediziner den mittäglichen 10-Minutenschlaf und empfehlen ihn, da er Konzentration und Leistungsfähigkeit objektiv messbar steigert.