Rückkehr an historischen StandortNeue US-Botschaft eingeweiht
Mit ihrer neuen Botschaft am Brandenburger Tor sind die Amerikaner nach fast 70 Jahren an ihren historischen Standort zurückgekehrt. Die offizielle Eröffnung hatte großen Symbolcharakter für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Die USA zeigen wieder Flagge im Herzen Berlins: Mit ihrer neuen Botschaft am Brandenburger Tor sind die Amerikaner nach fast 70 Jahren an ihren historischen Standort zurückgekehrt. Die offizielle Eröffnung am Freitagabend hat großen Symbolcharakter für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es geht um die Vergangenheit, die Gegenwart und die künftige Partnerschaft. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht eine US-Botschaft wieder im politischen und repräsentativen Zentrum Deutschlands. Neben dem Brandenburger Tor schließt sie die letzte Baulücke am Pariser Platz, dem Touristentreff und "Showroom" für Nachwende-Architektur.
Symbolträchtiges Eröffnungsdatum
Mit goldenen Scheren durchschneiden Alt-Präsident George Bush senior und US-Botschafter William Timken am späten Nachmittag das rot-weiß-blaue Band vor dem Haupteingang der Botschaft. Über ihren Köpfen flattert die amerikanische Flagge. Das Eröffnungsdatum hatten die USA mit Bedacht gewählt: Der 4. Juli ist der amerikanische Unabhängigkeitstag.
Der Empfang am Pariser Platz ist herzlich: "Bienvenue!" (Willkommen) grüßt die französische Botschaft zum Nachbarn hinüber. Emotionen liegen in der Luft, als die Nationalhymnen erklingen und die Hauptredner, Alt-Präsident George Bush senior (84) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU), auf der Rednertribüne sitzen. Von einem historischen Augenblick und einem bewegenden Moment spricht Merkel - und von Dank. Sie erinnert an die entscheidende Rolle, die Amerika bei der deutschen Wiedervereinigung spielte. "Ich habe früher wenige Meter von hier gewohnt. Ich habe mir viele Jahre meines Lebens nicht vorstellen können, einmal durch das Brandenburger Tor zu gehen", sagt die Bundeskanzlerin.
Letztes historisches Puzzlestück
Doch es ist Bush, der die mehr als 4000 Gäste anrührt. "Die deutsche Wiedervereinigung war das wichtigste Ereignis in meiner Präsidentschaft", betont er. Die Menschen in West- und Ostdeutschland hätten nie vergessen, dass sie ein Volk seien. Mit der Botschaft komme nun eines der letzten historischen Puzzlestücke zurück - in ein Europa, das nun in Freiheit geeint sei.
Es ist nicht nur das neue Gebäude, das an diesem Tag zählt. Es ist die wechselvolle Geschichte, die sich an diesem Ort nicht beiseite schieben lässt. Das Grundstück, auf dem die US-Botschaft steht, lag einst direkt an der Berliner Mauer. Die Amerikaner, das waren erst Kriegsgegner, dann Besatzer schließlich Schutzmacht West-Berlins. Gerade feierte die Stadt das 60. Jubiläum der Luftbrücke. Einige Flieger-Veteranen sind hochbetagt zur Eröffnungsfeier der Botschaft angereist. "Berlin wird Ihnen das nie vergessen", versichert ihnen Merkel. Was die beiden Staaten heute verbinde, sei gelebte Freundschaft. Die alten Piloten winken fröhlich.
Es ist dieser Hintergrund, der auch US-Botschafter William Timken nicht loslässt, wenn er nun von der gläsernen Rotunde im Dachgeschoss der Botschaft die Blicke schweifen lässt: vom Holocaust-Mahnmal über den neu erbauten Potsdamer Platz zur Quadriga auf dem Brandenburger Tor und weiter Richtung Reichstagskuppel und Kanzleramt. Die politische Gegenwart bewegt ihn. "Deutschland und die USA sind echte globale Partner", sagt er. "Die Botschaft ist ein Symbol dafür."
Architekturdebatte um "Festung"
Doch für diese tiefere Bedeutung der Vertretung scheint in Berlin noch wenig Raum. Es geht erst einmal um ihr Äußeres, das auch eine Antwort auf die Terroranschläge in den USA 2001 ist. Kaum waren die Baugerüste gefallen, begann eine Architekturdebatte um den Sandsteinbau mit seinem grünlich schimmernden Panzerglas. "Festung" nannten Kritiker den Bau des US-Architektenbüros Moore Ruble und Yudell.
Bei der Eröffnungsfeier ist Architekturkritik jedoch kein Thema. Zu gern würden die Gäste die Botschaft von innen sehen. Doch trotzRegenschauern und kühlem Wind gewährt der Hausherr selbst der Polit-Prominenz nur begrenzten Zutritt. Weiter als in die Cafeteria des Innenhofs kommt niemand - aus Sicherheitsgründen. Und das dürfte auch so bleiben.
Ulrike von Leszczynski und Aliki Nassoufis, dpa