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Experte über Hessen-Test"Nicht mal gut für Jauch-Show"

18.03.2006, 10:43 Uhr

Der Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hat die von der Union angestrebten bundeseinheitlichen Einbürgerungstests als untauglich kritisiert.

Der Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hat die von der Union angestrebten bundeseinheitlichen Einbürgerungstests als untauglich kritisiert. Den jetzt von Hessen vorgelegten Fragenkatalog wertete der stellvertretende Vorsitzende des Rates für Migration als zufällig und spitzfindig.

"Das Wissensquiz hat mit Bildung wenig zu tun, viel aber mit angesäuerter bürgerlicher Bildungshuberei. Es eignet sich nicht einmal als Vorbereitung für die beliebte Fernsehsendung 'Wer wird Millionär?'", sagte Oberndörfer der Deutschen Presse-Agentur. In der RTL-Sendung würden auch Kenntnisse der deutschen Alltagskultur abgefragt. Der Fragebogen könne aber so programmiert werden, "dass die Zurückweisung der Einbürgerungswilligen gesichert wird".

In dem hessischen Test wird unter anderem nach der Reformation, der Erfindung Johannes Gutenbergs und Ereignissen am 20. Juli 1944, am 17. Juni 1953 und anderen Daten gefragt. Die Prüflinge sollen drei deutsche Mittelgebirge nennen, sagen, was dem deutschen Wissenschaftler Otto Hahn 1938 gelungen sei und welches Motiv ein Rügen-Bild Caspar David Friedrichs zeige (mehr Fragen in der n-tv Bilderserie "Der Hessen-Test").

"Ein Kenner ist nicht unbedingt ein Freund"

Oberndörfer qualifizierte die Fragen als nicht nachvollziehbar. "Kenntnisse der Geschichte und Kultur Deutschlands verbürgen keine positive Identifikation mit Deutschland. Hervorragende Kenner der deutschen Geschichte und Kultur waren dennoch erbitterte Feinde Deutschlands." Millionen deutscher Bürger, wenn nicht sogar deren Mehrheit, würden zudem bei der Beantwortung der meisten Fragen des Katalogs scheitern. "Sie können dennoch gute Bürger sein, Recht und Gesetz achten und sich Verdienste um die Gemeinschaft erwerben", betonte Oberndörfer.

Die Integration von Zuwandern erfolge, "wenn sie Deutschland schätzen lernen und sich mit ihm identifizieren und wenn wir ihre Leistungen anerkennen". Integration werde gerade durch Einbürgerung gefördert, da sie Gleichberechtigung und Mitwirkung ermögliche. Die Fragen taugten nicht als Kriterium, ob jemand ein guter deutscher Bürger werde. "Nachdem zuletzt die konkrete inhaltliche Definition einer für alle Deutschen verbindlichen Leitkultur gescheitert ist, kehrt sie jetzt durch die Hintertür des Fragenkatalogs zurück." Einbürgerungswilligen Ausländern werde signalisiert, sie müssten erst einmal Germanistik, Geschichte und Verfassungsrecht studieren.

Als legitim bezeichnete Oberndörfer eine Überprüfung durch den Verfassungsschutz. Auch ein bei der Einbürgerung zu leistender Eid auf die Verfassung sei zu begrüßen.