Waffenruhe für "Hauptlösung"OIC warnt vor sich selbst
Mit Warnungen an den Westen ist in Malaysia die Sondersitzung der Organisation der Islamischen Konferenz bezüglich des neuen Libanon-Krieges zu Ende gegangen.
von Hommy Dara, Malaysia
Mit konkreten Warnungen an den Westen und einem tiefen Empfinden der Empörung ist am Donnerstag in Malaysias Regierungssitz Putrajaya die Sondersitzung der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) bezüglich des neuen Libanon-Krieges zu Ende gegangen. Der OIC gehören 57 Staaten an, in denen insgesamt rund eine Milliarde Moslems leben.
Der Gastgeber, Malaysias Premierminister Abdullah Badawi, kritisierte in einer emotionalen Rede auch die Vereinten Nationen, die seiner Meinung nach, durch ihre "Mutlosigkeit" es nicht einmal zustande gebracht hätten, Israel für die Angriffe auf Kana und Kiam zu verurteilen. In Kana waren letzte Woche 28 Zivilisten getötet worden, unter ihnen viele Kinder; in Kiam waren vier UNO Blauhelme in einem israelischen Bombenhagel ums Leben gekommen.
Der türkische Generalsekretär der Organisation, Ekmeleddin Ihsanoglu, sprach von "Empörung" in der islamischen Welt und hob zugleich, die "Doppelmoral" und "Parteilichkeit" des Westens hervor.
Doch was die westlichen Staaten noch mehr sorgen muss, ist dass mehrere moderate islamische Staaten zu dem Schluss kommen, dass eine Fortsetzung der "Ignoranz" radikale Kräfte in den islamischen Staaten ungemein stärkt. Es ist gar nicht auszudenken, was für Folgen ein Putsch von Islamisten im atomar bewaffneten Pakistan zur Folge hätte. Eine islamisch-fundamentalistische Türkei wäre wohl ebenfalls ein Alptraum für die westliche Welt.
Von einem moderaten Islam wollte der Zampano der OIC, der iranische Präsident und bekennende Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad, nichts wissen. Er sprach sich erneut für die "totale Zerstörung des zionistischen Regimes" aus. Dieses Ziel nannte er "Hauptlösung" (jegliche Ähnlichkeiten mit Ausdrücken aus der Geschichte seien aber nur zufällig). Allerdings müsse zum Erreichen dieses Ziels erst einmal eine sofortige Waffenruhe umgesetzt werden. Ferner forderte er von den Vereinigten Staaten und deren engsten Verbündeten Großbritannien Schadenersatz für die zerstörten Gebiete im Libanon. Dieser wird von der Regierung in Beirut auf etwa zwei Milliarden Euro beziffert.