Samstag, 16. Juni 2007
Provokateur par excellence: Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine ist ein Provokateur par excellence. Den jüngsten Aufschrei löste er mit der Formulierung aus, Deutschland sei in Afghanistan durch die Bundeswehr-Tornados "mittelbar in terroristische Aktivitäten verwickelt". Denn der Bundestag habe Gewaltanwendung zur Durchsetzung von Politik als Terror definiert. In Afghanistan machten die USA aber nichts anderes – und Deutschland unterstütze sie, so argumentierte er. Auf dem Vereinigungsparteitag allerdings vermied Lafontaine die Formulierung, obgleich er das Terrorismus-Thema streifte.
Lafontaine ist lange zurück auf der großen politischen Bühne, die er 1999 nach dem Bruch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dessen Kurs er nicht mittragen wollte, kompromisslos verlassen hatte. Damals zog er sich von allen Ämtern zurück: Bundestagsabgeordneter, Bundesfinanzminister, SPD-Chef. Im Mai 2005 gab Lafontaine nach fast 40 Jahren Mitgliedschaft sein SPD-Parteibuch zurück und trat in die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) ein. Wenige Monate später war er neben Gregor Gysi von der Linkspartei Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag.
Seit Samstag ist der Machtmensch Lafontaine neben Lothar Bisky von der Linkspartei auch Chef der neuen Partei. Trotz aller aggressiven Anti-SPD-Rhetorik wird der 63-Jährige wieder Kurs auf die SPD nehmen: zunächst im Bestreben, rot-rote Koalitionen in den Ländern zu schmieden. Eine davon erhofft er selbst zu bilden, wenn er 2009 bei der Wahl im Saarland um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfen wird. Dies war er schon von 1985 bis 1998. Auch sonst war er in 41 Jahren Politkarriere von der Kommunal- bis zur Bundesebene schon alles – außer Bundeskanzler.