ZwischenrufPressefreiheit auf Dänisch
Das einst so tolerante Legoland thematisierte bei den Wahlen 2001, alles was faul sei im Staate Dänemark, wäre auf Einwanderer und Asylbewerber zurückzuführen.
Von Manfred Bleskin
Sicher, im Königreich der Dänen herrscht Pressefreiheit. Und man könnte es als Dummheit abtun. Aber es ist weitaus mehr: Die Karikaturen, die den moslemischen Propheten Mohammed in Dänemarks größter Tageszeitung in Verbindung mit blutrünstigen Terroristen bringen, sind einer Atmosphäre erwachsen, in der die rechtsliberale Venstre mit Hilfe der Dansk Folkeparti auf der Woge einer geschürten Ausländerfeindlichkeit an die Macht gekommen ist.
Die Begrenzung der Einwanderung in das einst so tolerante Legoland war das Thema bei den Wahlen Ende 2001, als sogar Sozialdemokraten meinten, alles was faul sei im Staate Dänemark, wäre auf Einwanderer und Asylbewerber zurückzuführen. Die in Aarhus erscheinende "Jyllands-Posten" hat dabei eine unrühmliche Rolle gespielt. Die im Folketing mit nur vier Abgeordneten vertretene weit rechtsgerichtete Fremskridtsparti übrigens hat in den vergangenen Tagen bei Blitzumfragen erheblich zugelegt. Insofern ernten das Blatt und die Regierung von Anders Fogh Rasmussen mit den Protesten jetzt die Früchte ihrer eigenen Saat.
Dabei findet sich im Koran keine Stelle, an der die bildliche Darstellung Mohammeds noch des Menschen überhaupt expressis verbis untersagt ist. Das Verbot der Abbildung des Menschen leitet sich aus dem Alten Testament her, wo in bewusster Abgrenzung vom götzendienerischen Heidentum im Zweiten Gebot gesagt wird: "Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist." (Ex 20,4-6 und Dtn 5,8-10). Im Übrigen finden sich aus der Frühzeit des Islam sehr wohl – nebenbei meisterhafte – Darstellungen des Propheten von moslemischen Künstlern.
Warum wird ein Vorfall, der Monate zurückliegt, nun zum Auslöser von Protesten, die weltweit hunderttausende von Moslems aus den Moscheen auf die Straße treibt, zur Verschleppung Unschuldiger und zur Besetzung der EU-Vertretung in Gaza-Stadt durch vermummte Ballermänner? Immerhin hat die Europäische Union Millionen von Euro in die palästinensischen Gebiete gepumpt, die den Steuergeldern jener entstammen, die als "Ungläubige" verunglimpft werden. Es waren eben in erster Linie nicht saudische Petrodollars, die die Lebensfähigkeit der Palästinensischen Autonomiebehörde gewährleistet haben.
Apropos Saudi-Arabien. Dem Vernehmen nach haben moslemische Geistliche aus Dänemark die hässlichen Zeichnungen dem Königreich zugespielt,
wo die Behörden dann den Rummel auslösten, den manch einer schon wieder als Beweis für einen "Kulturkampf" wertet. Mit Goethe gesprochen: Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.
Gleichwohl ist der Fanatismus der Hunderttausende Ausdruck des Scheiterns zivilgesellschaftlicher Alternativen. Den Regierenden in Ägypten, Indonesien und anderswo ist es lieber, die Menschen verbrennen den Danebrogen, als dass sie nach den Ursachen ihrer bitteren Not fragen. Und hätte Dänemark nicht stramm von der ersten Minute an der Seite der USA in der Koalition der Irakkriegswilligen gestanden, sähe manches vielleicht anders aus. Nun sollte der Klügere nachgeben.