"Es ist die richtige Wahl"Presseschau zur T-Frage
Die deutsche Presse beschäftigt sich mit der Entscheidung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Jens Lehmann zur Nummer eins im Tor zu machen.
Die deutsche Presse beschäftigt sich mit der Entscheidung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Jens Lehmann zur Nummer eins im Tor zu machen."Stuttgarter Nachrichten"
Der Empörungsschrei aus München ist laut, aber ungerechtfertigt. Sicher: Kahn kann eine Menge Meriten aufweisen. Nichts aber zählt im Fußball weniger als die Erfolge früherer Tage. Zuletzt hatte der Münchener immer wieder gepatzt. Die Begründung, daran sei die Ungewissheit, ob er im Sommer im DFB-Tor stehen werde, schuld, ist absurd. Wer im eigenen Land Weltmeister werden will, muss mit diesem Druck umgehen können. Lehmann dagegen spielt konstant auf hohem Niveau und steht mit Arsenal London im Halbfinale der Champions League.
Klinsmanns Feldzug gewinnt überragendes öffentliches Interesse, weil ein überragendes öffentliches Ereignis dahinter steht: die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Sie ist eine gigantische Party, ein Motor der Wirtschaft, ein Ankurbler des Arbeitsmarktes, eine Plattform für die Politik. Sie ist die Bühne eines Schauspiels mit vielen Akten. Einer davon: Kahn gegen Lehmann. Er ist noch nicht beendet.
Jetzt ist es also raus. Jens Lehmann ist bei der bevor stehenden Fußball-WM im eigenen Land die Nummer eins im deutschen Tor - und nicht Oliver Kahn. War es der immer größer werdende Druck durch die öffentliche und veröffentlichen Meinung? Oder die schärfer werdenden Kampagnen des Boulevards? Bundestrainer Jürgen Klinsmann konnte in Anbetracht der ungeheuren Fokussierung einer ganzen Nation auf dieses eine Thema wohl nicht mehr länger warten. Das ist einerseits gut! Denn nun... wird es zwar in den nächsten Tagen Lob geben. Und Kritik hageln - insbesondere natürlich von den Großkopferten im Süden der Republik bei Kahns Club FC Bayern. Spätestens bei Beginn der intensiven Vorbereitung auf das Turnier Ende Mai dürften aber alle Argumente ausgetauscht sein. Und es kehrt - hoffentlich - Ruhe ein.
Der Bundestrainer hat die Luft aus diesem Thema genommen und kann selbst auch wieder freier atmen. Jetzt kann er nur hoffen, dass Lehmann eine tadellose WM spielt. Und natürlich auch, dass Kahn den Negativbescheid sportlich schluckt und vielleicht doch den zweiten Mann macht. Für alle Fälle. Aber das Beste ist, dass die Ungewissheit endlich vorüber ist. Für alle Beteiligten.
Nun hat Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann seine für Mitte Mai avisierte Entscheidung doch schon getroffen: Jens Lehmann ist in der deutschen Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land die Nummer eins im Tor. Amtsinhaber Oliver Kahn rückt ins zweite Glied. Dass beide Weltklasse verkörpern, wird kein Fußball-Insider bestreiten. Doch Lehmann hat einen Riesenvorteil: Im Champions-League-Spiel mit Arsenal London bot er sich in eben jenen Tagen dem Bundestrainer mit herausragenden Paraden an, da Oliver Kahn gegen den Bundesliga- Abstiegskandidaten Köln schwächelte. Dass Kahn jetzt vergnatzt ist, über seine weitere Zukunft im Nationalteam nachdenken will, ist wohl eine stinknormale Reaktion. Normal ist aber auch, dass die deutsche Mannschaft bei der WM nicht nur einen Klasse-Torhüter braucht und Gnatz ist kein guter Berater.
Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich für Jens Lehmann als Nummer eins im Tor entschieden, es ist die richtige Wahl. Oliver Kahn ist nicht mehr der "Titan", der er einmal war. Lehmann hingegen hat den Gipfel seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Einen besseren Zeitpunkt für die Klärung der T-Frage hätte Klinsmann kaum finden können. Bayern-Keeper Kahn hat zuletzt mehrfach gepatzt, sein Rivale sich in der Champions League auch von den namhaftesten Stürmern Europas nicht bezwingen lassen.
Warum regt die "T-Frage" das Land eigentlich dermaßen auf? In anderen Mannschaftsteilen und Sportarten wird doch auch gewechselt. Und es gibt nur eine Position, in der die DFB-Kicker zur Weltklasse zählen: jene des Torwarts; es ist also im Prinzip egal, wer bei "uns" zwischen den Pfosten steht. Reaktionen auf Kahns Ausbootung stammen von Leuten mit Vereinsbrillen. Wahrscheinlich hatte auch Klinsmann eine auf: Er mag die Bayern-Chefs nicht.
Aus, aus, aus. Vorbei. Der Titan ist gestürzt. Aber er fällt nicht allein. Mit Kahns Fall verschieben sich die Machtverhältnisse im deutschen Fußball. Viele versuchten Kahns Sturz zu stoppen. Franz Beckenbauer, der Weltmeister als Spieler, der Weltmeister als Trainer und der Weltmeister-nach-Deutschland-Holer kurz der Weltkaisermeister des Sports. Der FC Bayern München und seine Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz-Rummenigge, ohne die im deutschen Profi-Fußball nichts geht. Der mächtige Sponsorenpool des deutschen Fußballs; jene Bierbrauer, Telefonfirmen, Trikothersteller und Autobauer, die allesamt ihre teuren Werbespots mit Kahn als Nummer 1 eingespielt hatten und die ihre Clips nun einstampfen können. Und natürlich die Bild-Zeitung, die über ihre Stimmungsmache Karrieren befördert oder Trainer exekutiert, und die einst während der WM 2002 die Zeile erfand: Kahnsinn.
"Badische Zeitung"
Der sportlich Bessere sollte gewinnen. Und er hat gewonnen. Besonders im vergangenen halben Jahr hat Lehmann überzeugt. Bei Arsenal London seinem Verein und im Nationalteam. Er ist fußballerisch stärker als sein Rivale, passt dadurch besser ins taktische Konzept Klinsmanns. Kahn dagegen patzte mehrfach, klagte zudem vermehrt über gesundheitliche Probleme. Hinzu kommt, dass der FC Bayern München, Kahns Verein, eine Entscheidung forderte mit der Begründung, der psychische Druck schade der Leistungsfähigkeit seines Torwarts. Auch das spricht letztlich für Lehmann. Wie hätte Kahn bei der WM seine Topform abrufen können, wenn er schon der internen Konkurrenzsituation nicht gewachsen ist. Diskussionswürdig ist einzig der Zeitpunkt, an dem Klinsmann dem Torhüterduell ein Ende bereitete.
"Flensburger Tageblatt"
Der Bundestrainer muss seine Entscheidungen nach sportlichen Leistungen treffen. Somit hat Klinsmann richtig gehandelt und dabei erneut bewiesen, dass er unbequeme Wege nicht scheut. Konsequent wäre jetzt ein Rücktritt Kahns. Auf die Ersatzbank gehören zwei jüngere Torhüter. Da hat Klinsmann wieder die Qual der Wahl. In Deutschland gibt es eben viele gute Torhüter.