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Atom-Experte warnt vor Langzeitfolgen: "Radioaktivität wird auf Äcker getragen"

Die Gefahr durch radioaktive Teilchen, die durch die Brände in Russland aufgewirbelt werden ist weniger akut als langfristig. Das sagt der Experte Peter Jacob vom Helmholtz-Institut in München.

Langfristige Gefahr: Radioaktive Partikel in der Luft.
Langfristige Gefahr: Radioaktive Partikel in der Luft.(Foto: dpa)

Die Brände um die Stadt Brjansk können radioaktive Teilchen aufwirbeln, die noch vom Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 stammen. Das ist zwar aktuell nicht sehr gefährlich, sagte Peter Jacob, Leiter der Arbeitsgruppe Risikoanalyse am Helmholtz Zentrum München. Aber langfristig kann radioaktives Cäsium auf bisher nicht kontaminierte Felder gelangen.

Welche Gefahr droht, wenn radioaktiv kontaminierte Wälder brennen?

Peter Jacob: Für die Leute, die dort wohnen, würde ich Entwarnung geben. Die Gefahr, die dort durch Radioaktivität auftritt, dürfte sehr gering sein, weil das Cäsium überwiegend über die Nahrungskette wirkt. Das Einatmen selber spielt nicht so eine große Rolle.

Was geschieht mit den Feuerwehrleuten?

Die Feuerwehrleute, die jetzt da im Rauch stehen, die haben andere Probleme als das Cäsium. Die atmen Rauch ein und kämpfen mit der Hitze. Ich nehme an, dass Radioaktivität dort eine untergeordnete Rolle spielt.

Können radioaktive Stoffe durch das Feuer bis Deutschland kommen?

Das halte ich für extrem unwahrscheinlich. Dazu wäre ein Transport über eine große Entfernung nötig. Das Feuer wird keinen so starken Auftrieb haben, dass das passiert, und große Stürme haben wir ja im Moment nicht.

Und wenn der Wind dennoch mal stark von Osten bläst?

Deutschland ist eines der Länder, die am besten ausgerüstet sind. Wir haben das sogenannte IMIS mit 2000 Messstationen, die über das Land verteilt sind. Und wenn hier irgendwo Radioaktivität ankommt, wird das sofort online gemeldet.

Gibt es langfristige Risiken?

Ich sehe die Gefahr darin, dass sich die radioaktiven Stoffe ausbreiten. Das Cäsium ist sowieso da, nur ist es jetzt im Wald und durch das Feuer kann es zum Beispiel in ein Dorf oder auf Äcker getragen werden.

Sollte man die Gebiete wegen des radioaktiven Cäsiums sperren?

Man kann den Boden auch einfach umpflügen, dann ist es in tieferen Bodenschichten. Im Notfall müsste man kontaminierten Boden abtragen. Aber das kann erst im Ernstfall entschieden werden.

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Quelle: n-tv.de