Browns "Dritter Weg"Rede zur Außenpolitik
In seiner Grundsatzrede zur neuen britischen Außenpolitik erklärt Gordon Brown seine Liebe zu Amerika und geht zugleich auf Distanz zu George W. Bush.
Früher hat sich Gordon Brown zur Freude der Linken in der Labour-Partei stets geweigert, in schwarzem Frack und weißer Fliege "wie ein Pinguin" aufzutreten. Umso mehr unterstrich der Nachfolger Tony Blairs mit eben diesem Outfit der Upper Class, wie wichtig ihm seine Grundsatzrede zur neuen britischen Außenpolitik war. Dabei lautete die Hauptfrage bei der Analyse von Browns Text: Was meint der Briten-Premier genau mit seiner Politik des "nüchternen Internationalismus"?
Der konservative "Daily Telegraph" sah darin nichts anderes als "einen Dritten Weg zwischen dem traditionellen Anti-Amerikanismus in der Labour-Partei und dem Pro-Bush-Neoimperialismus von Tony Blair". Anders als sein Vorgänger habe Brown nichts mehr vom "Krieg gegen den Terrorismus" gesagt, merkte der linksliberale "Guardian" an. Bei der Darlegung der neuen britischen Außenpolitik habe Brown auch "den 11. September mit keinem Wort erwähnt".
Globale Lösungen für globale Herausforderungen
Stattdessen betonte der Premier, dass nicht allein der Terrorismus der Herd für Gefahren ist, die unsere Welt bedrohen. Die Instabilität, die von zerfallenden Staaten ausgehe, die Folgen des Klimawandels, die Immigration aus verarmten Regionen, weltweite Epidemien, die Verbreitung von Atomwaffen - gegen derartige globale Herausforderungen brauche die Welt globale Lösungen.
"Nur durch eine Reform unserer internationalen Regeln und Institutionen werden wir konkrete Ergebnisse erzielen." Dabei setzt sich Brown für eine Reform des UN-Sicherheitsrates samt Aufnahme von Staaten wie Deutschland, Frankreich, Japan, Indien und Brasilien als neue ständige Mitglieder ein.
"Lebenslanger Bewunderer Amerikas"
Zwar fand der Premier starke Worte in Richtung Iran. Schärfere Sanktionen seien erforderlich - möglicherweise auch ein Boykott der iranischen Öl- und Gasindustrie. Doch zugleich forderte er, was US- Präsident George W. Bush und dessen damaliger britischer Verbündeter Tony Blair 2003 im Fall des Irak-Krieg eben nicht getan hatten: Die Lösung internationaler Krisen im Rahmen der Vereinten Nationen - jener Organisation, die für Bush stets ein rotes Tuch war.
Dass Brown damit dem Bündnispartner Washington einiges zumutet, mag der Grund für seine versöhnlichen, fast beschwörenden Worte zum britisch-amerikanischen Verhältnis sein. Er sei ein "lebenslanger Bewunderer Amerikas", betonte er. Nichts habe London mit Anti-Amerikanismus am Hut, und die USA seien nach wie vor Großbritanniens wichtigster bilateraler Partner.
Eifersucht auf deutsch-amerikanische Beziehungen
Manche Kommentatoren sahen als Hintergrund dieser Beteuerungen eine transatlantische Eifersucht des Briten auf die inzwischen wieder guten Beziehungen Washingtons zu Berlin und nun auch zu Paris. Die freundlich gestimmten Auftritte Bushs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy hätten Brown nervös gemacht, nachdem er bei seinem ersten Treffen mit dem US-Präsidenten im Frühsommer in Camp David auf Distanz gegangen sei. Doch Brown lobte ausdrücklich, dass "Frankreich, Deutschland und die EU wieder stärkere Beziehungen mit Amerika aufbauen".
Für den "Daily Telegraph" machte der Regierungschef mit seiner Grundsatzrede auch deutlich, dass - wie es sein neuer US-kritischer Staatsminister im Außenamt, der ehemalige stellvertretende UN- Generalsekretär Mark Mallow-Brown formuliert hatte - Washington und London trotz enger Beziehungen "nicht an der Hüfte zusammengewachsen" sind. Die alte US-Liebe Browns sei eben doch eher eine Liebe "zum liberalen Ostküsten-Amerika, mehr JFK (John F. Kennedy) als GWB (George W. Bush)".
Von Thomas Burmeister, dpa