Ein Jahr nach dem Südkaukasus-KriegRussland demonstriert Stärke
Zum ersten Jahrestag des Südkaukasuskrieges eröffnete in Zchinwali ein "Völkermord"-Museum mit Fotos, Trümmerteilen und Militärutensilien aus Kriegstagen. Und während in der südossetischen Hauptstadt tausende Menschen der Opfer gedachten, setzte sich Russland einmal mehr als Großmacht in Szene.
Russland hat sich bei den Gedenkfeiern zum ersten Jahrestag des Südkaukasuskriegs gegen Georgien einmal mehr als Großmacht in Szene gesetzt. Kremlchef Dmitri Medwedew nutzte öffentliche Auftritte am Samstag, um Georgien vor neuen "Kriegsabenteuern" zu warnen. Er betonte, dass die politische Landkarte mit der russischen Anerkennung der Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien "ein und für alle Mal" neu gezeichnet sei. Mit drohenden Worten machte auch Regierungschef Wladimir Putin deutlich, dass Georgien seine territoriale Unversehrtheit nur bewahren könne, wenn es die Südossetien und Abchasien in Frieden leben lasse.
In der südossetischen Hauptstadt Zchinwali, die in der Nacht zum 8. August 2008 von georgischen Soldaten beschossen worden war, gedachten am Wochenende tausende Menschen der Opfer. Das russische Staatsfernsehen zeigte mit vielen Wiederholungen Berichte von Überlebenden, die den heldenhaften russischen Soldaten für die Befreiung von den "georgischen Faschisten" dankten. Medwedew ließ sich bei einem Besuch in der an Südossetien grenzenden russischen Teilrepublik Nordossetien vor laufenden Kameras von dem 92-jährigen Dmitri Charebow umarmen, der im Krieg alles verloren hatte. Russland habe den "Mut" gefunden, den Mord an den Südosseten zu stoppen, sagte der Rentner in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas.
Wahrheit und Lüge kaum zu trennen
In Zchinwali eröffnete der südossetische Präsident Eduard Kokojty ein "Völkermord"-Museum mit Fotos, Trümmerteilen und Militärutensilien aus den Kriegstagen. Damit solle der "ethnische Hass der Georgier" gegen die Südosseten für künftige Generationen dokumentiert werden, sagte Kokojty im TV-Sender Westi. Moskaus regierungskritische Medien beklagten, dass in der Propagandaschlacht der Staatssender Wahrheit und Lüge kaum zu trennen seien. Eine echte Aufarbeitung der Kriegsereignisse lasse weiter auf sich warten.
Auch ein Jahr nach dem Blutvergießen stehen sich beide Seiten unversöhnlich gegenüber. Das georgische Staatsfernsehen zeigte in einem fort antirussische Spots und ein Laufband mit dem Titel "Der Kampf geht weiter". In einer Sequenz war Kremlchef Medwedew zu hören mit den Worten: "Wir achten und lieben das georgische Volk". Danach werden russische Kampfbomber gezeigt, die georgische Stellungen in dem Fünf-Tage-Krieg im August 2008 bombardierten.
Georgien will in die NATO
Der von Regierungsgegnern in Tiflis als autoritär kritisierte georgische Präsident Michail Saakaschwili wirft Moskau bis heute vor, sich ganz Georgien wie zu Sowjetzeiten einverleiben zu wollen. Auch deshalb betonte der in den USA ausgebildete Politiker zum Jahrestag, dass Georgien rasch in die NATO aufgenommen werden müsse. Gleichwohl appellierte Medwedew erneut an den Westen, das Kaukasusland nicht mit weiteren Waffenlieferungen zu einem neuen Angriff auf Südossetien oder Abchasien zu ermuntern.
Russland ließ ein Jahr nach dem Krieg keinen Zweifel daran, dass es im Kaukasus auch weiter die Führungsrolle beansprucht. Kremltreue Jugendliche und Kommunisten hatten zum Jahrestag des Krieges bei antiamerikanischen Demonstrationen in Moskau die USA vor einem "Hausieren im russischen Hinterhof" gewarnt. Medwedew selbst sprach bei seinem Aufenthalt in Wladikawkas von einer "Schlüsselrolle" Moskaus im Kaukasus. "Nur starke Staaten können den Menschen ein normales Leben sichern. Schwache Staaten verschwinden von der Weltkarte", sagte Medwedew vor russischen Soldaten.