Von "Farce" bis "waghalsig"Schröders Abgang
"Wenn Merkels Kurs als Kanzlerin ähnlich unklar sein sollte wie ihre Rede im Bundestag, dann kann Deutschland auf die Neuwahl warten." – Der Blick in die Presse.
Von "Farce" bis zu waghalsigem Unternehmen - die Einschätzung der internationalen Presse über die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) herbei geführte Vertrauensabstimmung variiert stark. Folgend einige Auszüge:
- "Es ist nun genug Zeit verflossen, um seine (Schröders) grundlegende Ineffektivität zu beweisen. Was immer Köhler entscheidet: Der Kanzler verdient es zu gehen." ("The Daily Telegraph", London)
- "Während der Kanzler und vor allem sein Außenminister Joschka Fischer gute Reden gehalten haben, waren die Vorstellungen der CDU-und FDP-Sprecher alles andere als eindrucksvoll." ("The Guardian", London)
- "Was Gerhard Schröder dem Land und seiner SPD als mutigen Kunstgriff verkaufte, entpuppt sich als riskanter Missgriff (...) Schröder fehlt wirklich das Vertrauen nicht nur der Bevölkerung, sondern auch seiner Partei. ("Kurier", Wien)
- "Die unentschlossene und waghalsige Initiative erinnert in der Tat an eine politische Auflösung, wie sie gerade in Frankreich erfolgt. Doch dieser 61-jährige Mann, der bereits sieben Jahre Kanzlerschaft hinter sich hat, hat schon mehr als einmal das Unmögliche geschafft." "France Soir", Paris)
- "Schon für das Anzetteln dieser Farce hätte Schröder die Strafe der Wähler verdient. Aber die Meldung von seinem politischen Ableben wäre vermutlich voreilig: Die Umfragewerte der Union (...) signalisieren zwar überdeutlich den Wunsch nach einer neuen Politik. Aber CDU und CSU haben es bis jetzt unterlassen, den Deutschen zu erklären, worin diese Politik bestehen würde. ("Die Presse", Wien)
- "Abenddämmerung bei den Rot-Grünen in Berlin, vor dem Hintergrund der europäischen Krise." ("La Repubblica", Rom)
- "Das ist nicht das kleinste Paradox dieses Tages: Die Intimfeinde des Kanzlers haben für ihn gestimmt und seine wirklichen Gefolgsleute haben sich enthalten. ("La Libre Belgique", Brüssel)
- "Letztlich muss man dem Grünen-Politiker Werner Schulz Recht geben: Er hat die Abstimmung als absurdes Theater bezeichnet, die das Ansehen des Parlaments beschädigt." ("Basler Zeitung")
- "Selbst wenn allen Umfragen nach Rot-Grün die Wahl verliert, hat Gerhard Schröder sein persönliches Bild gefestigt als ehrlicher Mensch und Politiker, der auch einen Schlag einstecken kann. Und wenn Merkels Kurs als Kanzlerin ähnlich unklar sein sollte wie ihre Rede im Bundestag, dann kann Deutschland auf die nächste Neuwahl warten." ("Kommersant", Moskau)