Archiv

Die Iran-Optionen der USASoftware-Attacke, Revolution

22.01.2006, 12:40 Uhr

Im Streit mit dem Iran haben die USA nicht viele Erfolg versprechende Möglichkeiten. Militärische Aktionen gelten als zu risikoreich, Sanktionen als wirkungslos.

Und dann gehen in der iranischen Atomanlage plötzlich wie von Geisterhand die Lichter und Maschinen aus - das Szenario stammt nicht aus dem neuesten Polit-Thriller, sondern aus amerikanischen "Denkfabriken", wo Iran-Kenner und Strategen abwägen, wie mit der iranischen Atombedrohung fertig zu werden ist. Viele Erfolg versprechende Optionen sehen sie nicht:

Software-Attacke: "Die USA könnten das iranische Atomprogramm durch verdeckte Aktionen stören, etwa durch einen Angriff auf die Software-Programme", schrieb Patrick Clawson vom Washingtoner Institut für Nahoststudien in der "Los Angeles Times". Die mögliche Kettenreaktion skizzierte das "Wall Street Journal": Eine der Hochleistungszentrifugen beginnt plötzlich zu vibrieren, Alarm wird ausgelöst, das Sicherheitssystem schaltet nacheinander sämtliche Maschinen ab. Ein Software-Virus hat entscheidende Dateien vernichtet. Clawson setzt darauf, dass Hacker im Dienste der US- Regierung die Sicherheitscodes der Iraner knacken könnten.

Israelischer Bombenangriff: Eine Aktion im Stil der israelischen Bombenangriffe auf den Osirak-Reaktor im Irak 1980 und 1981 gilt als kaum machbar. "Auf die Bombardierung der Atomeinrichtungen würde Iran mit Sicherheit militärisch so reagieren, dass ein Krieg entsteht", sagte Henry Sololski, Direktor des rüstungskritischen Instituts NPEC, bei einer Podiumsdiskussion in Washington. Iran hat Israel mit seinen Mittel- und Langstreckenraketen schon im Visier. Ein weiteres Problem gilt bei dieser Variante wie auch bei Option 3:

Gezielte US-Bomben: "Atomeinrichtungen bombardieren? Bauen wir allen Ernstes darauf, dass unsere Geheimdienste die Stätten lokalisieren können?", fragt Michael Ledeen vom American Enterprise Institute in einem Artikel, mit Seitenhieb auf die nie gefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak. Iran habe seine Nukleareinrichtungen wohlweislich im ganzen Land verteilt, schreibt das Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS).

Invasion: Auch wenn das Pentagon an solchen Plänen arbeitet, sehen Experten die US-Streitkräfte mit einem weiteren Einsatz neben dem Irak und Afghanistan überfordert, von der ernüchternden Erfahrung bei den Stabilisierungsbemühungen im Irak ganz zu schweigen. "Die Iraner würden einen Sturz des Mullah-Regimes zwar begrüßen, aber keine US-Besatzung", warnt Clawson.

Sanktionen: Der US-Kongress zählt in einem überparteilichen Report die Möglichkeiten auf: Erzwungene internationale Inspektionen zur Überwachung aller iranischen Aktivitäten, Reise-Restriktionen für iranische Diplomaten, Einstellung des Luftverkehrs von und nach Iran - und stellt dann fest: Die 1979 in Kraft getretenen US-Sanktionen hätten kaum Wirkung gezeigt. Und dass die ganze Welt sich an Sanktionen beteiligt, gilt angesichts der erheblichen Wirtschaftsinteressen Russlands und Chinas, die Sanktionen im Weltsicherheitsrat billigen müssten, als illusorisch.

Revolution: Die Unterstützung revolutionärer Kräfte, die das Regime in Teheran stürzen wollen, gilt vielen als aussichtsreichste und risikoärmste Variante. Präsident George W. Bush ging schon vor einem Jahr in diese Richtung. Er sagte in seiner Regierungserklärung: "Dem iranischen Volk verspreche ich folgendes: Wenn ihr für eure eigene Freiheit eintretet, steht Amerika hinter euch." Der Kongress hat gut zehn Millionen Dollar zur Unterstützung iranischer Dissidenten bewilligt. Das müsste massiv aufgestockt werden, meint Ledeen vom Enterprise-Institut. "In der ganzen Region brodeln revolutionäre Gefühle, nirgendwo mehr als im Iran", schrieb er.

(Christiane Oelrich, dpa)