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Kommentar:Täter wird Opfer

14.12.2005, 18:22 Uhr

Die Hasstiraden und Drohungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad gegen Israel sind so ungeheuerlich, dass sich da eigentlich schon jeglicher Kommentar erübrigt.

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Die Hasstiraden und Drohungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad gegen Israel sind so ungeheuerlich, dass sich da eigentlich schon jeglicher Kommentar erübrigt. Seine Aufrufe sind im Klartext ein Ruf nach Massenmord und Massenvertreibung. Anders kann man die Aufforderung nach der Tilgung eines Staates von der Landkarte oder gar die Verlegung Israels nach Deutschland, Österreich oder Alaska nicht werten.

Ob die Reaktionen vieler Länder der Welt angemessen sind, ist Geschmacksache. Sie reichen von verbaler Verurteilung über die Einberufung iranischer Botschafter in die Außenministerien bis hin zu Vorschlägen, diplomatische Beziehungen und Wirtschaftskontakte abzubrechen oder Iran aus der Fußball-Weltmeisterschaft auszuschließen.

Noch empörender ist allerdings die Art und Weise, wie in europäischen Medien mit der israelischen Reaktion auf die unzweideutige Kriegserklärung des Iran gegen den jüdischen Staat und die Verleugnung des schon begangenen Völkermordes an den Juden umgegangen wird.

Die "Sunday Times" veröffentlichte gemäß Aussagen namentlich nicht genannter "Geheimdienstquellen", dass Scharon die Vorbereitungen zu einem Militärschlag gegen Iran befohlen habe. Mehrere Sprecher in Jerusalem wiesen diesen Bericht mit klaren Worten zurück, etwa mit der zynischen Behauptung: "Jene Zeitung weiß wohl mehr als Scharon selber." Doch in Agenturberichten hieß es, dass das Dementi "zweideutig" gewesen sei.

Inzwischen hat Scharons Sprecher erklärt, dass Israel sich verteidige, falls es angegriffen werde, dass es keine erneute "Endlösung" geben werde, und dass es die Fähigkeit habe, eine Vernichtung Israels zu verhindern.

Aus diesen selbstverständlichen Reaktionen, wurde sogleich eine militärische Aggression Israels gedreht: "Scharon droht Iran mit militärischen Mitteln". Scharons Sprecher dementiert, militärische Mittel überhaupt erwähnt zu haben.

Mit solchen Überschriften wird in unverantwortlicher Weise das Opfer in den Täter umgewandelt. Schlimmer noch. Sollte Iran seine Drohungen wahr machen, könnte Ahmadinedschad mit Beifall rechnen. Denn Scharons Dementi zu Vorbereitungen eines Angriffs auf Iran war doch "zweideutig". Und wenn Israel verkündet, sich nicht vernichten lassen, sondern verteidigen zu wollen, dann wird daraus schon eine "militärische Drohung" gemacht. Sollte Iran tatsächlich eines Tages eine Atombombe auf Tel Aviv werfen, würde es heißen: "Das haben sich die Juden selber eingebrockt, denn Scharon hat Iran mit Krieg gedroht."