Einmal lächeln für die KameraTeddy auf Reisen
In "Die fabelhafte Welt der Amlie" wird ein Gartenzwerg um die ganze Welt geschickt, um seinem Besitzer mit auf der Reise entstandenen Fotos eine Freude zu machen. Was für eine Marktlücke, dachte sich da ein Geschäftstüchtiger.
Etwas teilnahmslos steht "Benni" vor dem Hamburger Rathaus. Mit seinen schwarzen Knopfaugen blickt er ungerührt auf das historische Regierungsgebäude. Mit keiner Regung verrät der Besucher, was er von der prächtigen Fassade im Zentrum der Elbmetropole hält. Kein Wunder: "Benni" ist anders als die übrigen Touristen, die an diesem Tag den Rathausmarkt bevölkern: "Benni" ist ein Teddybär. Auf einer von der Hamburger Agentur "Teddy Tours" organisierten Stadtrundfahrt besichtigt das Plüschtier Innenstadt, Hafen und Reeperbahn. "Reiseleiter" Niklas Knippschild trägt den Bären mit dem beige-braunen Fell durch die Hansestadt und lässt ihn dabei einige Tage lang den Hauch der großen weiten Welt schnuppern.
"Wir bieten ein komplettes Besucherprogramm", sagt Knippschild. Die Gäste werden zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten gefahren und fotografiert. Die Teddys schreiben sogar eine Postkarte an die Lieben daheim. Und am Ende erhalten die Besitzer eine Foto-CD als Beweis für das, was Teddy in der Fremde erlebt hat. Diese Idee wurde auch schon im Kino umgesetzt: Im französischen Filmhit "Die fabelhafte Welt der Amlie" schickt die Titelheldin den Gartenzwerg ihres Vaters mit einer befreundeten Stewardess um die Welt. Der verdutzte Vater wunderte sich anschließend über die Fotogrüße aus aller Welt, auf denen der Gartenzwerg vor berühmten Sehenswürdigkeiten abgelichtet war.
So abwegig die Idee auf den ersten Blick auch erscheinen mag: In Deutschland scheint es einen Markt für Stofftierreisen zu geben. So werden in München und Frankfurt seit Jahren Kurzurlaube für Teddybären angeboten. In Berlin konkurrieren sogar schon zwei Anbieter um die Gunst der reisefreudigen Kundschaft. Dabei werben die Veranstalter mit immer ausgefalleneren Ideen um ihre Kunden. In München gehören selbst Bungee-Sprünge und Besuche auf dem Golfplatz zum Programm.
Etwa einmal im Monat veranstaltet Knippschild in Hamburg die Touristentouren für Stofftiere. Wer seinen Lieblingen das Erlebnis gönnen will, kann bei seiner Agentur im Internet verschiedene Besichtigungspakete buchen. Vom Standardprogramm für 49 Euro bis hin zum Premiumangebot ab 129 Euro reicht die Palette.
Inspirieren ließ sich der 31-jährige Knippschild durch die Angebote in anderen Städten. "Ich fand die Idee sofort klasse", sagt der ausgebildete Rettungssanitäter. "Hamburg braucht Touren für Teddys." Als verrückt gelten will er deshalb aber nicht. "Ich mache das aus Spaß an der Sache - und um Hamburg auf eine witzige Art zu vermarkten", betont er. Auch seine Freundin Yvonne Werny sieht das Ganze eher locker. Es gebe aber eine persönliche Grenze, meint die 23-jährige Krankenschwester, die Knippschild bei seinen Touren unterstützt. "Wir behandeln die uns anvertrauten Tiere sehr sorgfältig. Aber mit ins Bett oder aufs Sofa kommen sie bei uns nicht", sagt Werny.
Die beiden Hamburger basteln bereits an zusätzlichen touristischen Angeboten. So sollen schon bald ein Besuch im Tierpark Hagenbeck und eine Hafenrundfahrt zum Katalog von "Teddy Tours Hamburg" gehören. "Das ist ein absolutes Muss", findet Knippschild. "Jeder Besucher, der in Hamburg war, muss eine Fahrt durch den Hafen gemacht haben."