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Merkel-InterviewU-Boote für Israel?

14.09.2005, 12:05 Uhr

"Die Beziehungen mit Israel sind ein kostbarer Schatz, den wir hüten müssen", sagte Kanzlerkandidatin Angela Merkel in einem Exklusivinterview mit der linksliberalen israelischen Zeitung "Haaretz".

"Die Beziehungen mit Israel sind ein kostbarer Schatz, den wir hüten müssen", sagte Kanzlerkandidatin Angela Merkel in einem Exklusivinterview mit der linksliberalen israelischen Zeitung "Haaretz". Sie sprach mit Adar Primor, führender politischer Redakteur der Zeitung und Sohn des ehemaligen Botschafters in Bonn, Avi Primor. "Wir und die kommenden Generationen müssen uns deshalb unserer Geschichte bewusst sein und der Verantwortung, die sie beinhaltet. Wir müssen eine klare öffentliche Position dazu einnehmen und enge Beziehungen mit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland pflegen. Und natürlich müssen wir enge Beziehungen zu Israel pflegen, mit persönlichen Begegnungen."

Merkel wird von Primor als "kräftige Unterstützerin der Politik von Premierminister Ariel Scharon" bezeichnet. Sie distanziere sich klar vom Lager der Rückzugsgegner. "Mit der Abkopplung hat Premierminister Scharon einen sehr mutigen Schritt getan, der es mir erlaubt, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Dieser Schritt könnte in Israel einen neuen Ansatz für den Friedensprozess schaffen", sagte Merkel.

Merkel kenne die führende Rolle der USA im Nahen Osten an. Gleichwohl solle sich Deutschland künftig stärker engagieren. Gerhard Schröder und Scharon hätten sich schon lange Zeit nicht mehr getroffen, schreibt Primor und erwähnt, dass Deutschland drei U-Boote der Dolphinklasse aufgrund einer alten Absprache zwischen Konrad Adenauer und David Ben Gurion sowie als Entschädigung für die irakischen Raketenangriffe während des Irak-Krieges von 1991 erhalten habe. Schröder habe sich geweigert, mit Verteidigungsminister Peter Struck über die Lieferung weiterer U-Boote an Israel zu diskutieren. Ohne jetzt öffentlich darüber reden zu wollen, behauptet Primor, dass Merkel nach den Wahlen "Israels Wünsche berücksichtigen wolle".

Als "Ossi" habe Merkel gelernt, dass "Zionismus" ein Schimpfwort sei und Synonym für Imperialismus. Doch ihr Vater, ein protestantischer Pastor, habe ihr eine "ausgeglichenere Perspektive" beigebracht. Sie habe eine "warme Haltung zu Israel", als Reaktion auf ihre kommunistische Erziehung.

Merkel sagte, dass sie während des Wahlkampfes neben dem "New Yorker" nur Haaretz unter den ausländischen Medien ein Interview gewähre. Eigentlich sei für jeden Kanzlerkandidaten ein Israel-Besuch ein "Muss". Doch aus Zeitmangel sei das nicht möglich gewesen. So betrachte sie dieses Interview als "Kompensation". Lachend fügte sie hinzu: "Und falls ich die Wahlen verliere, wird sich ohnehin niemand mehr für mich interessieren."

Merkel betrachte den Antisemitismus als "ernstes Problem" und schwor, ihn zu bekämpfen. "Wir werden alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel nutzen. Es ist wichtig, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung des Antisemitismus als Hass auf die Menschheit zu heben." Manchmal, so Merkel, seien sich die Menschen nicht der antisemitischen Tendenzen bewusst. Deshalb wolle sie die Erziehung und Training gegen Antisemitismus fördern. "Um das zu erreichen, wollen wir die Austauschprogramme für Teenager aus Deutschland und Israel ausweiten, damit möglichst viele deutsche Jugendliche Israel besuchen können und anders herum."

Zum Iran sagte Merkel: "Wir haben ein gemeinsames Ziel: Iran (den Besitz) von Atomwaffen zu versagen." Ein gemeinsames Angehen von Frankreich, Britannien und Deutschland, unterstützt von den USA, sei der Schlüssel für eine politische Lösung.

Ulrich W. Sahm, Jerusalem