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Schwerer SelbstmordanschlagÜber 50 Tote

21.09.2008, 15:40 Uhr

Beim bislang schwersten Selbstmordanschlag in Pakistans Hauptstadt Islamabad sind mindestens 53 Menschen getötet worden. Der Attentäter brachte vor dem stark gesicherten Marriott-Hotel einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen zur Explosion.

Beim bislang schwersten Selbstmordanschlag in Pakistans Hauptstadt Islamabad sind mindestens 53 Menschen getötet worden. Der Attentäter brachte vor dem stark gesicherten Marriott-Hotel einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen zur Explosion. Das Hotel mit 290 Zimmern stand danach stundenlang in Flammen. Unter den Getöteten waren nach Angaben des pakistanischen Innenministeriums auch vier Ausländer: zwei US-Bürger, der tschechische Botschafter und ein Vietnamese. Ein dänischer Diplomat wurde vermisst. Sieben Deutsche wurden verletzt, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Pakistans Regierung zählte mindestens 266 Verletzte, darunter elf Ausländer.

Rettungskräfte suchten auch am Sonntag noch nach Opfern in der Ruine. Geheimdienstmitarbeiter gingen wegen der Art des Anschlags von Al-Kaida oder ihr verbündeten Extremisten als Urheber aus. Die pakistanische Regierung kündigte die Fortsetzung ihres Kampfs gegen militante Islamisten an.

Bereits das dritte Mal

An der Straßensperre vor dem im Zentrum Islamabads gelegenen Luxushotel klaffte nach der Explosion ein sechs Meter tiefer Krater. Nach Einschätzung des Innenministeriums verwendete der Attentäter mehr als eine halbe Tonne Sprengstoff. Ein Wachmann berichtete von zwei kleineren Explosionen, bevor die Hauptladung explodiert sei. Die Sicherheitsleute hätten sich noch einen Schusswechsel mit dem Angreifer geliefert, sagte der Hotelbesitzer. Einem deutschen Hotelgast zufolge forderte das Wachpersonal die Menschen Minuten vor der Explosion auf, sich auf die Rückseite des Gebäudes zu begeben.

In einem Festsaal im Inneren, in dem sich zum Zeitpunkt der Explosion 200 bis 300 Menschen zum Fastenbrechen aufhielten, brach die Decke herab. "Wir sind nur noch in Deckung gerannt", sagte ein Journalist, der unter den Teilnehmern des Essens war. "Rund um mich herum lagen viele Verletzte." In der Umgebung des Hotels wurden Dutzende Autos zerstört, und noch mehrere Hundert Meter entfernt zerbarsten Scheiben. Das Marriott war in der Vergangenheit schon zwei Mal Ziel von Anschlägen geworden.

Nato sagt weitere Zusammenarbeit zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "brutalen, menschenverachtenden Anschlag" und bezeichnete den Kampf gegen den Terrorismus als vorrangige Aufgabe der internationalen Gemeinschaft. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die USA und Großbritannien verurteilten die Tat. Die Nato sagte Pakistan eine Fortsetzung der Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Extremismus zu.

Der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari sagte in einer Fernsehansprache: "Das ist eine Epidemie, ein Krebsgeschwür in Pakistan, das wir ausrotten werden. Wir werden uns nicht vor diesen Feiglingen fürchten." Armeechef General Ashfaq Kayani zeigte sich in einer Erklärung entschlossen, "die Kräfte des Extremismus und des Terrorismus zu schlagen".

Großoffensiven an den Grenzen zu Afghanistan

Zardari hatte wenige Stunden vor dem Anschlag in seiner ersten Parlamentsrede seit seiner Wahl angekündigt, den Kampf seines Vorgängers Pervez Musharraf gegen die Extremisten fortzusetzen. Ebenso wie sein Vorgänger gilt der neue Präsident als enger Verbündeter der USA.

Die pakistanische Armee bekämpft Al-Kaida und die Taliban derzeit mit einer Großoffensive in ihren Rückzugsgebieten nahe der Grenze zu Afghanistan. Auch die USA haben ihre Anschläge auf mutmaßliche Extremisten innerhalb Pakistans verschärft und damit wütende Reaktionen in der pakistanischen Öffentlichkeit ausgelöst.

Quelle: Kamran Haider, Reuters