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Bomben auf LibanonUrlauber getötet

15.07.2006, 11:01 Uhr

Eine deutsche Familie ist bei den israelischen Angriffen auf Libanon ums Leben gekommen. n-tv Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm sprach mit den Verwandten.

"Um kurz vier Uhr Morgens haben die Israelis das Haus meiner Familie bombardiert. Ich weiß nicht warum", sagte telefonisch Raef Khasab. Sein Cousin Mustafa, 43, dessen schwangere Ehefrau Najwar, 30, sowie deren Tochter Jasmin, 14, die zuletzt ein Gymnasium in Mönchengladbach besuchte, sind bei dem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Die Leichen konnten aber erst am Donnerstagnachmittag geborgen und identifiziert werden.

Der 11 Jahre alte Ahmed habe überlebt, weil er sich um 04.30 Uhr, zum Zeitpunkt des Angriffs, im Bad aufgehalten habe. Ahmed, der in Mönchengladbach zur Schule geht, überlebte mit einem Schock und wurde in ein Hospital in der nahe gelegenen Stadt Tyros gebracht. Die drei toten Familienangehörigen wurden inzwischen entsprechend den Regeln des Islam in ihrem uralten Heimatdorf im Libanon begraben.

"Ich stehe die ganze Zeit mit meiner Familie telefonisch in Kontakt", erzählt Khaschab. Das Dorf Chehour liegt wenige Kilometer östlich von Tyros im Süden des Libanon, unweit der Grenze zu Israel. Chehour habe während der Besatzungszeit Israels außerhalb der so genannten "Sicherheitszone" gelegen. Khaschab erzählt auch vom Tod einer brasilianischen Familie im Nachbardorf Srifa. Deren Tod hatte im Laufe des Freitag schon zu Protesten der brasilianischen Regierung gegen Israel geführt.

Khaschab bestätigte, dass sein Cousin Mustafa, der bei dem Luftangriff ums Leben gekommen ist, vor 25 Jahren nach Deutschland gekommen sei und sich eingebürgert habe. Alle seine Kinder seien in Deutschland geboren. Die Familie sei zum Urlaub in den Libanon gefahren. "Sehr viele Bewohner von Chehour sind nach Deutschland ausgewandert. Sie handelten mit Autos", sagt Khachab, der ebenfalls aus dem Dorf stammt und sich als Kaufmann in München niedergelassen hat. "In Brasilien zum Beispiel gibt es heute mehr Libanesen, als im Libanon selbst. Die Familien halten zusammen und holen einen nach dem anderen ins Ausland."

Reflexartig sagte der israelische Militärsprecher, dass die Luftwaffe keine Zivilisten angreife. Dennoch werde die Anfrage bis Sonntag bearbeit, ob und warum das Dorf angegriffen worden seien.

Bei hunderten Luftangriffen, im Wesentlichen auf strategische Ziele wie Brücken, Flughäfen und Militärstellungen seien bisher nach libanesischen Angaben 68 Menschen ums Leben gekommen. Schimon Peres rief die libanesischen Bürger auf, ihre Häuser zu verlassen, falls die Hisbollah in ihren Kellern und Tiefgaragen Sprengstoff oder Raketen eingelagert habe. Israel beklagte sich auch offiziell darüber, dass die Hisbollah ihre Stellungen in unmittelbarer Nähe von UN-Stützpunkten im Südlibanon errichtet habe, um so vor israelischen Angriffen sicher zu sein.

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem