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Dossier

Mittwoch, 08. Oktober 2008

Wer hat Rachida Dati geschwängert?: V-Frage weiter ungeklärt

Erst meldete sich der spanische Ex-Premierminister Jos Mara Aznar, dann der französische Sport-Staatssekretär Bernard Laporte. Beide Herren ließen offiziell mitteilen, sie seien nicht für die Schwangerschaft der Justizministerin Rachida Dati verantwortlich.

Die bald 43-Jährige erwartet im Januar eine Tochter. Da sie sich beharrlich über den Vater ihres Kindes ausschweigt, hat sie mittlerweile den Spitznamen "Unbefleckte Empfängnis" verpasst bekommen.

Sarkozy: "Es ist ein Regierungsmitglied"

Schockiert sind in Frankreich die wenigsten darüber, dass die elegante Ministerin demnächst allein erziehende Mutter wird. Laut einer Umfrage freuen sich 80 Prozent mit ihr über die späte Schwangerschaft. Allerdings amüsieren sich viele über die anhaltenden Vaterschaftsspekulationen. Dati bügelte die direkte Nachfrage mit dem Hinweis ab: "Ich habe ein kompliziertes Privatleben." Ihr werden Affären mit mehreren einflussreichen Geschäftsleuten nachgesagt.

Präsident Nicolas Sarkozy heizte den Klatsch weiter an, in dem er in einer Kabinettsrunde grinsend verkündete: "Ich weiß, wer der Vater von Rachida Datis Baby ist. Es ist ein Regierungsmitglied!" So berichtet es zumindest das gut informierte Enthüllungsblatt "Le Canard Enchan".

Dame der Titelseiten

Auf der Satire-Website Failbook, die wegen ihrer Nähe zum Original Facebook mittlerweile gesperrt wurde, häuften sich die Dementi potenzieller Väter - unter anderem auch von "demjenigen der die Tochter von Sarah Palin geschwängert hat". Außerdem sei Dati neuerdings an Designermode für Kleinkinder interessiert, hieß es dort in Anspielung auf Datis Hang zu extravaganter und teurer Kleidung.

In den vergangenen Monaten brillierte Dati immer wieder mal in Abendgarderobe auf den Titelblättern verschiedener Zeitschriften. Das könnte auch daran liegen, dass sie sich immerhin elf persönliche PR-Mitarbeiter leistet, die ursprünglich mal der Pressestelle des Ministeriums zugeordnet waren. Die Website Mediapart spricht von einem "juristischen Vakuum", da diese in keinem Organigramm auftauchen - und das ausgerechnet im Justizministerium. Datis Sprecher Guillaume Didier ist außerdem dafür bekannt, dass er alle Zeitschriftentitel mit der Ministerin gerahmt ins Büro hängen lässt.

Auch Sgolne Royal ist schwanger

Dati ist nicht die erste Politikerin in Frankreich, die schwanger ihrem Beruf nachgeht. Auch die ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Sgolne Royal erwartete als unverheiratete Ministerin Nachwuchs. Der Vater ihrer insgesamt vier Kinder gab ebenfalls ein Gesprächsthema in Paris ab: Franois Hollande war zugleich Parteichef der Sozialisten. Mittlerweile ist das Paar offiziell getrennt, und Royal bemüht sich um die Nachfolge ihres Ex-Partners als Parteichefin.

Künstliche Befruchtung?

Falls Dati sich angesichts der tickenden biologischen Uhr und mangels eines geeigneten Partners für eine künstliche Befruchtung entschieden haben sollte, könnte sie damit die Regierung in Bedrängnis bringen. Nach französischem Recht ist dies nämlich nur Paaren erlaubt, die seit mindestens zwei Jahren zusammenleben - weswegen viele Französinnen mit unerfülltem Kinderwunsch zur Behandlung nach Belgien reisen.

Als so gut wie sicher gilt, dass Sarkozy Datis Schwangerschaft nutzen will, um sie aus ihrem Amt wegzuloben. Möglicherweise bietet er ihr aber ein weniger exponiertes Regierungsamt an - schließlich kann er es politisch sich kaum leisten, eine allein erziehende Mutter zu benachteiligen, die dazu noch als erfolgreiche Tochter nordafrikanischer Einwanderer ein Aushängeschild der Regierung ist.

Ulrike Koltermann, dpa

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