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KommentarVerbotene Selbstverteidigung

22.01.2006, 16:29 Uhr

Irans Präsident hat aber offen und keineswegs "indirekt" gedroht, den Staat Israel auszulöschen. Ist es wirklich abwegig, dass Israels Verteidigungsminister nun öffentlich über "Selbstverteidigung" redet? Ein Kommentar von Ulrich Sahm

Von n-tv Korrespondent Ulrich W. Sahm, Jerusalem

"Die Bemühungen um das iranische Atom-Problem müssen die Amerikaner fortsetzen. Der Staat Israel kann eine atomare Bewaffnung des Iran nicht akzeptieren. Wir werden uns auf eine Selbstverteidigung vorbereiten müssen, mit allen ihren Bedeutungen, die wir kennen."

Dieser Satz von Israels Verteidigungsministers, Schaul Mofaz, wurde in Deutschland in bemerkenswerte Schlagzeilen umgemünzt: "Israel droht mit Selbstverteidigung" oder "Israel droht indirekt mit Angriff".

Selbstverteidigung scheint eine ganz neue Form israelischer Aggression zu sein. Auch die "indirekte" Drohung mit einem Angriff ist kurios, solange Mofaz weder direkt noch indirekt von einem Angriff, sondern von "Selbstverteidigung" gesprochen hat. Zudem überlässt Mofaz die Behandlung des iranischen Atom-Problems den Amerikanern. Ein israelischer Militärschlag gegen den 2000 Kilometern entfernten Iran und feindlichen Ländern auf dem Weg dürfte ziemlich ausgeschlossen sein.

Ein amerikanischer Erfolg, Iran am Bau einer Atombombe zu hindern, ist nicht garantiert. Irans Präsident hat aber offen und keineswegs "indirekt" gedroht, den Staat Israel auszulöschen. Innerhalb absehbarer Zeit könnte Iran dazu sogar fähig sein. Ist es wirklich abwegig, dass Israels Verteidigungsminister nun öffentlich über "Selbstverteidigung" redet?

Das wichtigste Mittel israelischer Selbstverteidigung dürfte geheimdienstliche Aufklärung sein, um vorgewarnt zu sein. Das andere sündhaft teure Gegenmittel dürfte das Arrow-Raketensystem sein. Das gemeinschaftliche amerikanisch-israelische Projekt scheint das einzige funktionierende Abwehrsystem gegen anfliegende ballistische Raketen zu sein. Eine weitere Methode der Selbstverteidigung wäre der Bau von atomsicheren Bunkern für die Bevölkerung, was unbezahlbar wäre.

Die absurde Formulierung "Israel droht mit Selbstverteidigung" impliziert, dass Israel sich nicht einmal mehr verteidigen darf, obgleich Iran droht, es auszulöschen. Nachdem sich Irans Präsident offen für einen Genozid an der Bevölkerung des jüdischen Staates ausgesprochen hat, fragt sich, welcher Gedanke wohl in der deutschsprachigen Presse mitschwingt, wenn wieder einmal Juden das Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen wird. Wo sonst käme jemand auf die Idee, mit "Selbstverteidigung" sogar "drohen" zu können.