Donnerstag, 19. Oktober 2006
Putin über Vergewaltigungen: "Was für ein starker Kerl!"
Ein Lob von Russlands Präsident Wladimir Putin für seinen israelischen Amtskollegen Mosche Katzav, der der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung beschuldigt wird, hat in Moskau Verwirrung verursacht. "Was für ein starker Kerl! Zehn Frauen hat er vergewaltigt", zitierte die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" am Donnerstag Putins Worte bei einem Treffen mit Israels Regierungschef Ehud Olmert im Kreml.
Den Angaben nach fuhr Putin bei dem Treffen am Mittwoch fort, Katzav (60) habe alle überrascht und man beneide ihn in Russland. Moskauer Medien rätselten, ob das als Ironie oder als moralische Unterstützung für Katzav zu verstehen sei. Die israelische Delegation reagierte nach russischen Medienberichten verstimmt auf Putins Auslassungen.
Der für die Berichterstattung aus dem Kreml zuständige "Kommersant"-Journalist Andrej Kolesnikow zitierte Putin wie folgt: "Grüßen Sie Ihren Präsidenten. Was für ein starker Kerl! Zehn Frauen hat er vergewaltigt. Das hätte ich ihm nicht zugetraut. Er hat uns alle überrascht. Wir beneiden ihn alle." Der Journalist kommentierte das Gehörte mit den Worten, das sei einer jener Momente gewesen, in denen man seinen Ohren nicht traue.
Der Journalist äußerte die Vermutung, Putin habe offenbar nicht bemerkt, dass die Mikrofone noch eingeschaltet waren und dass Kolesnikow sich als einziger Journalist noch im Saal aufhielt. Im Kreml ist es bei internationalen Begegnungen üblich, dass Journalisten den Gesprächsbeginn verfolgen dürfen und dann nach einigen Minuten den Saal verlassen müssen. Im Gesprächsprotokoll auf der Website des Kremls sind die Anmerkungen zu Katzav nicht aufgeführt. Im Radiosender "Echo Moskwy" wurden Putins Worte sowohl als Ironie wie auch als Versuch gewertet, Katzav im Skandal den Rücken zu stärken.
In Israel bereitet die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Katzav vor. Zwei ehemalige weibliche Angestellte werfen dem Präsidenten vor, er habe sie mit Drohungen sexuell gefügig gemacht. Nach der Veröffentlichung dieser Vorwürfe hatten sich weitere Frauen gemeldet, die dem Staatsoberhaupt sexuelle Nötigung vorwerfen. Katzav beteuerte wiederholt seine Unschuld und bezeichnete sich als Opfer eines Erpressungsversuchs.
