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Dossier

Montag, 03. Juli 2006

Tritte und Hiebe: Was geschah nach dem Spiel?

Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft am Freitag über Argentinien kam es auf dem Spielfeld zu heftigen Rangeleien. Auftakt war ein Tritt des argentinischen Ersatzspielers Leandro Cufre in den Unterleib von Per Mertesacker. Der Hannoveraner erlitt zudem eine blutende Risswunde am Oberschenkel. Noch auf dem Platz sah Cufre die Rote Karte. Die Disziplinarkommission der FIFA wird ihn voraussichtlich für einige Spiele sperren.

Eine Sperre droht auch Maxi Rodriguez, der Bastian Schweinsteiger auf den Hinterkopf geschlagen hat. Dies wurde von Schiedsrichter Lubos Michel nicht geahndet, die FIFA leitete das Verfahren am Sonntagvormittag ein. Ebenfalls am Sonntagvormittag erklärte die FIFA die Ermittlungen gegen deutsche Spieler offiziell für beendet. Am Sonntagabend erhielt der DFB ein Schreiben der FIFA, dass Team-Manager Oliver Bierhoff oder andere DFB-Offizielle keine Bestrafung zu befürchten bräuchten.

Vorwürfe gegen Torsten Frings tauchten erst am Sonntag auf. Pikanterweise berichteten zunächst italienische Medien über den angeblichen Schlag des Bremers gegen Julio Cruz: Die Zeitung "La Repubblica" veröffentlichte ein Foto, auf dem es so aussieht, als schlage Frings dem Argentinier ins Gesicht. Die Italiener - nicht etwa die Argentinier - forderten nun Strafmaßnahmen gegen Frings. Am Sonntagabend dann eröffnete die FIFA ein Verfahren gegen Frings, am Montagabend verkündete sie das Urteil: Für das Spiel gegen Italien ist Frings gesperrt.

Frings hatte die Vorwürfe klar zurückgewiesen. "Ich habe nichts gemacht", sagte er der "Kreiszeitung Syke". "Ich habe mich in einem Pulk befunden, in dem alle wild um sich geschlagen haben. Ich habe selber zwei Schläge abbekommen. Da habe ich zu meinem Schutz die Hände nach vorne gestreckt, mehr war nicht."

Diese Darstellung wird von einer Aussage des Argentiniers gestützt. "Ich habe keinen Faustschlag bekommen, zumindest habe ich nichts gespürt", sagte Cruz der italienischen "Gazzetta dello Sport". Ein TV-Mitschnitt (siehe Link) zeigt, dass zunächst Cruz Frings ins Gesicht langt, dann Frings dasselbe mit Cruz macht. Beide Aktionen sehen nicht nach einem Faustschlag aus.

Wie alles begann

Warum kam es überhaupt zu den Angriffen der Argentinier? Nach eigenen Angaben fühlten sich die Argentinier von Tim Borowski provoziert. Dieser hatte die Südamerikaner nach seinem verwandelten Elfmeter mit einer Geste aufgeforderte, den Mund zu halten. Dazu legte er den Finger auf den Mund.

Hinterher erklärte Borowski: "Die Argentinier hatten nicht gerade einen Heiligenschein. Sie haben während des Elfmeterschießens versucht, uns aus der Ruhe zu bringen. Das war eher eine beruhigende Geste von mir." So sollen die Argentinier jedem deutschen Schützen spanische Schimpfworte mit auf dem Weg zum Elfmeterpunkt gegeben haben. Die haben was auf Spanisch gesagt und wollten uns damit provozieren und aus der Ruhe bringen", sagte Kapitän Michael Ballack. Nach einem Bericht des Internetportals Sport1 zeigte Julio Cruz nach den argentinischen Treffern in Richtung der deutschen Mannschaft und legte dabei den Finger auf die Lippen. Diese Geste habe sich Tim Borowski später zum Vorbild genommen.

Offenbar fiel Cufre über Mertesacker her, weil er ihm mit Borowski verwechselte. "So schnell konnte ich gar nicht schauen, da hatte ich schon den nächsten Tritt in die Weichteile gekriegt", berichtete Mertesacker, der auch mehrfach am Oberschenkel getroffen wurde.

"Die Reaktion von Tim Borowski haben sie als Provokation aufgefasst. Aber das ist ja noch lange keine Entschuldigung, so auf uns loszugehen", sagte Oliver Bierhoff, der auch in die Tumulte verwickelt war. Bierhoff packte einen argentinischen Betreuer am Kragen und sagte Cufre energisch die Meinung. "Es gab ein paar Wortgefechte und auch ein kleines Gerangel, mehr aber nicht. Ich bin auf den Rasen geeilt, um zu schlichten", sagte der 38-Jährige. "Unten haben sie getreten und oben haben sie uns beschimpft", so Bierhoff. "Die haben wie wilde Tiere um sich geschlagen und getreten", berichtete Frings. Bastian Schweinsteiger bekam einen Schlag ab, als er sich zwischen die Argentinier und Bierhoff stellte. "Ich wollte nur schlichten und habe mir dafür einen eingefangen - das werde ich mir beim nächsten Mal genau überlegen, ob ich noch Mal eingreife", witzelte Schweinsteiger später.

Das Schlusswort gebührt Lukas Podolski: "Mir ist egal, ob die schlechte Verlierer sind", sagte er über die Argentinier. "Wir feiern und die fahren nach Hause."

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