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Botschafter Klaus SchariothZur Amtseinführung Obamas

16.01.2009, 22:13 Uhr

Klaus Scharioth ist stolz, Deutschland bei diesem historischen Augenblick in Washington vertreten zu dürfen.

Der Deutsche Botschafter in den USA, Klaus Scharioth, wird die Bundesrepublik bei der offiziellen Amtseinführung Barack Obamas am 20. Januar in Washington vertreten. Der Diplomat zählt zu den Ehrengästen der amerikanischen Regierung. In Washington sprach unser USA-Korrespondent Christian Wilp mit Klaus Scharioth.

Christian Wilp: Herr Botschafter, Sie als Diplomat werden bei der Amtseinführung Barack Obamas ja gewissermaßen einen Logenplatz einnehmen. Freuen Sie sich auf dieses Ereignis? Es ist ja auch für Sie eine Premiere.

Klaus Scharioth: Herr Wilp, ich freue mich. Dies ist ein historischer Augenblick und ich bin auch ein bisschen stolz, Deutschland bei diesem historischen Augenblick hier in Washington vertreten zu dürfen. Ich freue mich sehr.

Barack Obama übernimmt das Amt in schwerster Zeit. Die Wirtschaft befindet sich in einem Abwärtsstrudel, der Präsident hat zwei Kriege zu führen, die nach wie vor ungelöst sind. Dazu kommt die Lage im Nahen Osten, sie ist ja sprichwörtlich explosiv. Kann er die Erwartungen am Ende nur enttäuschen?

Das glaube ich nicht. Sie haben Recht, ich stimme Ihnen zu, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind enorm. Aber Herausforderungen und Krisen bieten auch immer Chancen. Und ich habe den Eindruck aus allen Gesprächen, die ich geführt habe, dass das Team um Barack Obama den Dialog suchen wird, die Zusammenarbeit suchen wird mit Europa und auch mit anderen Teilen der Welt. Und ich glaube, dass wir eine Situation sehen werden, in der sich das neue Team diesen Herausforderungen mit ganzer Energie und auch mit vielen Erfolgsaussichten stellen wird.

Der neu gewählte Präsident ist in Hawaii aufgewachsen und in Indonesien. Die Wachstumsmärkte der Gegenwart und der Zukunft befinden sich in Asien, in China und in Indien vor allem. Glauben Sie, dass der Fokus der Außenpolitik der Amerikaner stärker auf Asien gelenkt wird, weg von Europa? Und was bedeutet das künftig für die transatlantischen und insbesondere für die deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Die Herausforderungen, die wir haben, sind globaler Natur. Die Finanzkrise, Klima, Energie, Sicherheit, aber auch die Nicht-Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, zerfallene Staaten. Alle diese Probleme sind globaler Natur. Aber ich glaube nicht, dass das bedeutet, dass das Gewicht Europas sich reduziert. Ich glaube sogar, im Gegenteil, dass wir eine noch engere Zusammenarbeit, als wir sie schon in den letzten Jahren hatten, sehen werden, zwischen den USA und Europa, zwischen den USA und Deutschland, und dies stimmt mich sehr optimistisch.

Denn nur, wenn es eine enge Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA gibt, haben wir eine Chance, die anderen Partner in der Welt für uns zu gewinnen, um Lösungen zu finden. Ich glaube, dass genau dies die Strategie sein wird.

Sie haben den neuen Präsidenten erlebt, im Wahlkampf. Wie ist denn Ihr persönlicher Eindruck?

Sehr positiv. Er ist sehr ruhig, sehr gelassen. Er hört sehr gut zu und er ist eine wirklich eindrucksvolle Persönlichkeit.