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Explodierender Naher OstenKommentar von Ulrich W. Sahm

12.07.2006, 16:44 Uhr

Israel reagiert mit militärischer Gewalt, da es die Verletzungen seiner Souveränität durch Raketenbeschuss aus Gaza oder aus Südlibanon nicht dulden kann.

"Das war kein Terrorakt, sondern eine Kriegshandlung des souveränen Staates Libanon gegen Israel", so Israels Ministerpräsident Ehud Olmert zu dem Raketenangriff der Hisbollah und der Entführung von zwei Soldaten. Völkerrechtlich mag es einen Unterschied machen, ob Terroristen aus einem autonomen Gebiet von Israels Gnaden einen Soldaten kidnappen, oder ob dies an einer internationalen, von der UNO voll anerkannten Grenze geschieht. Politisch spielt Libanon das gleiche Spiel wie die palästinensische Hamasregierung. Libanon weigert sich, seine offizielle Armee bis an die Grenze zu Israel vorrücken zu lassen, wie es die UNO fordert. Genauso setzt Präsident Mahmoud Abbas seine Polizisten nicht gegen die "Infrastruktur des Terrors" ein, wie es die Roadmap des Quartetts (USA, EU, UNO und Russland) fordert. Die Hisbollah im Libanon führt einen Privatkrieg gegen Israel, unterstützt von Syrien und Iran, während die Regierung in Beirut Machtlosigkeit demonstriert, aber gegen die Verletzung von Libanons Souveränität durch Israel laut protestiert. Israels Attacken auf den Gazastreifen werden als "Völkerrechtsverletzung" kritisiert, während die Hamas-Regierung sich voll hinter die Erpressung der ihr angeblich unbekannten Entführer aus den eigenen Reihen stellt.

Israel reagiert mit militärischer Gewalt, da es die Verletzungen seiner Souveränität durch Raketenbeschuss aus Gaza oder aus Südlibanon nicht dulden kann. Verhandlungen mit den Hamas-Entführern kommen nicht in Frage, weil das einer Entmachtung von Präsident Mahmoud Abbas gleichkäme und weil Israel sich weigert, mit kriminellen Entführern zu verhandeln. Gleiches gilt für die Hisbollah, die ebenfalls keine Regierung repräsentiert. Selbst arabische Experten sehen eine Koordination islamistischer Extremisten, von Hamas über die Hisbollah bis nach Iran. Die jüngsten Ereignisse beweisen, dass der Nahostkonflikt nicht nur ein lächerlicher Streit zwischen Israel und Palästinensern um ein paar Quadratkilometer Land ist, sondern ein umfassender Kampf islamistischer Ideologen gegen die ganze Welt. New York, Bombay, Madrid, London, Istanbul, Bagdad, Amman und die Sinaihalbinsel sind Stationen des gleichen Krieges, den Israel an vorderster Front ausficht.

Militärisch kann Israel nicht siegen. Und politisch kann es die ultimative Forderung dieser Islamisten nicht akzeptieren: Israels Verschwinden von der Landkarte, wie es Ahmadinidschad von Iran, Nasralla der Hisbollah sowie Asahar, Maschal und Hanije von der Hamas fordern.

Von n-tv Korrespondent Ulrich W. Sahm, Jerusalem