Freitag, 04. August 2006
Kommentar: Verfehlte Debatte
von Ulrich W. Sahm
"Ich habe Kanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, dass wir absolut kein Problem haben mit deutschen Soldaten im Südlibanon. Weshalb sollten deutsche Soldaten auf Israel schießen?" Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hätte kaum anders argumentieren können.
Die Bedenken in Deutschland gegen eine Beteiligung der Bundeswehr bei der geplanten sind verfrüht und entspringen falschen Vorstellungen. Die innerdeutsche Diskussion klingt wie die Geschichte vom Ehestreit, in der sich Mann und Frau nicht einigen können, was sie mit der Million des Lottogewinns machen sollten, eine Weltreise machen oder ein Haus kaufen. Wie dumm nur, dass sie die falschen Zahlen getippt haben.
Die internationale Truppe gibt es noch gar nicht. Niemand weiß, wie ihr "robustes Mandat" aussehen soll. Sie soll wohl an die Stelle der israelischen Soldaten treten in einer bis heute nicht festgelegten Region, um Israel zu schützen und der libanesischen Regierung zu helfen, ihre Souveränität auf das ganze Land auszuweiten. Sie soll die Hisbollah als eigenständige bewaffnete Macht, als Staat im Staate, ausschalten. Niemand hat jemals behauptet, dass diese Truppe gegen Israel ankämpfen sollte. Zu den Aufgaben der Truppe soll zum Beispiel eine Kontrolle der Grenzübergänge zwischen Syrien und Libanon gehören, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden.
Und wenn Olmert noch drauflegt "Ich wäre sehr glücklich darüber, wenn Deutschland sich beteiligte", so ist das mehr als nur Ausdruck des Vertrauens in Deutschlands Politik, wie sie Bundeskanzlerin Merkel während ihres Besuchs in Israel mit klaren Bedingungen an die islamistische Hamas-Regierung formuliert hat. Es gibt eine langjährige enge Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der "Israelischen Verteidigungsarmee".
Deutschland lieferte 1991 Patriotraketen mitsamt deutschem Bedienungspersonal. Israelische Soldaten trainierten in deutschen Uniformen den Einsatz von ABC Fuchspanzern in Bayern. Jedes Jahr kommen deutsche Offiziere zur Weiterbildung nach Israel. Nicht nur die hübschen israelischen Soldatinnen finden bei den jungen deutschen Männern Beachtung, sondern auch Kampfmethoden, Taktik und die einzigartige Erfahrung beim Kampf gegen Terror, Guerilla und klassischen Kriegen. Wohl bei keiner anderen Armee der Welt werden ständig so kostbare Erfahrungen gesammelt, die heute den Amerikanern im Irak zugute kommen und vielleicht sogar der Bundeswehr im Afghanistan. Die drei deutschen U-Boote in Israels Marine sind nur die Spitze eines Eisbergs, über den sonst vor allem geschwiegen wird.