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Banken helfen Griechenland"Als ob sie Samariter wären"

04.05.2010, 20:46 Uhr

Die Banken wollen sich am Hilfspaket für die Griechen beteiligen. Freiwillig. Aber um eine noble Geste handelt es sich dabei nicht. Eher um eine Rettungsaktion in eigener Sache.

Die deutschen Banken wollen sich freiwillig an dem Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Um eine selbstlose Geste handelt es sich dabei nicht. Das Geschäft ist ungefährlich, wenn nicht gar lukrativ. Was also wollen die Geldhäuser? Wenn es ihnen darum ginge, "eine mittelmäßige Nebelkerze" zu werfen, um von sich abzulenken, dann hätten sie "ihre Aufgabe passabel gelöst", so n-tv.de. Auch andere Medien sehen in dem Hilfsangebot mehrheitlich eine Rettungsaktion in eigener Sache.

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Finanzminister Schäuble freut sich über die Unterstützung. (Foto: REUTERS)

Die Kieler Nachrichten kritisieren, dass es den Banken ausschließlich um das eigene Image gehe: "Viel Bohei, wenig Überraschung: Dass sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die anderen Spitzenbanker mit ihrem Auftritt im Finanzministerium sofort den Vorwurf einhandeln, nur einen PR-Coup landen zu wollen, haben sie sich selbst zuzuschreiben. Mit Selbstlosigkeit haben die Entscheidungen der Banker wenig zu tun. Denn ein Opfer wäre es erst gewesen, wenn die deutschen Institute Griechenland tatsächlich Schulden erlassen hätten. Doch davon war keine Rede. Dass die Banker so auftreten, als ob sie Samariter wären, ist schlicht unnötig. So lässt sich der ramponierte Ruf nicht aufpolieren."

Auch die Pforzheimer Zeitung möchten nicht von einer edelmütigen Geste ohne Hintergedanken sprechen: "Das Hilfsangebot kann man getrost als PR-Gag der Kreditinstitute abhaken. Zu verlieren haben sie nichts. Zu gewinnen aber viel. Zuerst einmal ein gutes Image. Zum Zweiten werden mit dem Geld aus dem Hilfspaket die griechischen Gläubiger bedient, wovon gerade die Banken selbst wieder profitieren. Und am Ende winkt ihnen wieder gutes Geld, wenn Athen die neuen Kredite zurückzahlt. Würde es die Bundesregierung ernst meinen, müsste sie die Banken zu einem teilweisen Forderungsverzicht bewegen. Dann nämlich würde das Hilfspaket deutlich schrumpfen, das die EU-Staaten und ihre Bürger stemmen müssen."

Im Umgang mit den Banken sollten Politiker aufmerksamer handeln, findet auch die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (Kassel), denn genau jetzt wäre der Zeitpunkt, um erneut auf eine Regulierung des Finanzmarktes zu drängen: "Wenn Banken derzeit etwas eint, dann die Erkenntnis, dass es ernst wird. Statt darauf zu warten, dass sie in ihren Spielregeln beschnitten werden, bieten sie freiwillig einen nicht definierten größeren Betrag für das Milliarden-Rettungspaket. Alles freiwillig, versteht sich ansonsten wäre es ein Schuld-Eingeständnis. Ein symbolischer Akt oder eine moderne Form des Ablasshandels: lasst ab von uns und rühret nicht an unseren Töpfen. Wenn Politiker sich von dieser Larifari-Nummer einlullen lassen, verpassen sie wieder eine Chance, die Auswüchse des Finanzmarktes in den Griff zu bekommen, für die derzeit einzig der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird oder künftig noch gebeten werden soll. Warum gibt es nicht längst eine vernünftige Finanzmarktregulierung?"

Der Wiesbadener Kurier begrüßt die Unterstützung Griechenlands durch die Banken: "Eine freiwillige Beteiligung der Geldhäuser wäre in der Tat eine bemerkenswerte Geste, selbst wenn man dabei natürlich in Rechnung stellen muss, dass eine gezielte Beruhigung des Marktes auch die Geschäftsgrundlage der Banken sichern hilft. Aber dennoch: Da sie nur an die Logik und die Gesetze des Marktes gebunden sind, würden die Banken mit ihrem Engagement dokumentieren, dass sie das Rettungspaket für Griechenland als realistisch erachten. Und deswegen ist die tatsächliche Höhe eines Engagements zunächst zweitrangig. Was zählt, ist die Aktion selbst."

Quelle: Zusammengestellt von Katja Sembritzki