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Neues START-Abkommen steht"Bedeutender Schritt"

08.04.2010, 20:16 Uhr

Die USA und Russland rüsten ab. Sie verringern ihr atomares Waffenarsenal: Ein "Stopp-Signal an die, die nach Massenvernichtungswaffen streben".

US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Dmitri Medwedew haben in Prag den umfassendsten atomaren Abrüstungsvertrag seit zwei Jahrzehnten unterzeichnet. Das neue START-Abkommen verpflichtet Russland und die USA dazu, die Zahl der nuklearen Sprengköpfe innerhalb der nächsten sieben Jahre von je 2200 auf 1550 zu reduzieren. Die Zahl der Trägersysteme wird demnach auf jeweils 800 halbiert. Ein Schritt in die richtige Richtung.

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US-Präsident Obama und der russische Präsident Medwedew haben in Prag ein Abkommen zur atomaren Abrüstung unterzeichnet. (Foto: REUTERS)

Die in Rostock herausgegebene Ostseezeitung ist zuversichtlich: "Auch wenn Kritiker zu Recht einwenden, dass die Abrüstung nicht weit genug geht, das Prinzip der gegenseitigen Auslöschung nicht durchbrochen ist, die Russen bei der Zahl der Raketen oder U-Boote sogar noch aufstocken könnten und beide Seiten ihr Nuklearwaffen- potenzial ohnehin modernisieren dürfen, ist das Abkommen ein Signal zur schrittweisen Deligitimierung von Kernwaffen. Und damit ein Stopp-Signal an all jene Länder, die nach Massenvernichtungswaffen streben." Es seien nämlich nicht die alte Supermacht Russland oder die Gefahr eines weltweiten Nuklearkrieges, die Obama Angst machten. "Nein, vielmehr sind es einzelne, unberechenbare Demagogen - ob sie nun im Namen eines Gottes oder einer verqueren Nationalideologie predigen - sowie Terroristen, die von einer 'schmutzigen Bombe' träumen. Diese Fanatiker wird man mit dem Start-Vertrag zwar wenig beeindrucken. Aber mit der politischen Front, die sich im Gipfel von Prag symbolisiert."

Für die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg steht fest: "Wichtiger noch als die Verschrottung der Atomwaffen ist die amerikanisch-russische Annäherung." Denn: "Auch wenn die Zahl der strategischen Sprengköpfe auch nach der atomaren Abrüstung noch immer auf beiden Seiten erschreckend hoch bleiben wird, so ist das Abkommen doch ein weiterer bedeutender Schritt in Richtung einer Welt mit immer weniger Waffen. Obama und der russische Präsident Medwedjew haben ein Signal für den Frieden gegeben."

"Die Zeiten, in denen sich die Welt in Ost und West aufteilen ließ, sind zwar Vergangenheit, doch auch in einer multipolaren Welt bleiben Russland und die USA zwei wichtige Akteure", schreibt die Stuttgarter Zeitung. Vertrauen zwischen diesen Staaten aufzubauen und zu stärken sei notwendig; die Vertragsunterzeichnung in Prag ein erster Schritt. "Dabei macht es durchaus Hoffnung, dass in Gestalt von Dmitri Medwedew ein Mann im Kreml sitzt, der sich mit antiamerikanischen Tiraden zurückhält. Ebenso wie es Hoffnung macht, dass in Barack Obama jemand das Weiße Haus leitet, der als Präsident das Thema Abrüstung als Chefsache ansieht."

Die Landeszeitung aus Lüneburg konstatiert: "Auf keinem anderen Feld haben Washington und Moskau so ähnliche Interessen: Beide sind beunruhigt über die Krise der Nichtverbreitungspolitik und die atomaren Ambitionen Teherans. Abrüstung steht Washington und Moskau gut. Es erhöht ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie von Teheran nuklearen Verzicht fordern."

Der Mannheimer Morgen bricht eine Lanze für den US-Präsidenten: "Vor einem Jahr, als Barack Obama in Prag seine Vision einer Welt ohne Atomwaffen präsentierte, wurde der damals frisch gebackene US-Präsident noch ein Stück weit als realitätsferner Träumer belächelt. Jetzt, ein Jahr später, steht die atomare Abrüstung auf der internationalen Agenda wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr." Allein dies sei ein Verdienst des Friedensnobel-Preisträgers, der dabei sei, die Vorschusshoffnungen dieser Auszeichnung auch tatsächlich umzusetzen.