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Quelle vor endgültigem Aus"Bitteres Ende einer Erfolgsstory"

20.10.2009, 20:45 Uhr

Quelle wird endgültigen abgewickelt. Wer ist Schuld? Die Presse benennt Fehler im Management und erinnert an Seehofers effekthaschendes Wahlkampfgetöse.

Das Traditionsunternehmen Quelle wird endgültigen abgewickelt. Wer ist Schuld? Die Zeitungskommentatoren benennen Fehler im Management und erinnern nicht zuletzt an Seehofers effekthaschendes Wahlkampfgetöse.

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In den 60er Jahren florierten die Geschäfte das Großversandhauses Quelle. (Foto: dpa)

"Hat man sich bei Quelle auf den eigenen langjährigen Erfolg so verlassen, dass man die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat? Hat man den gigantischen, in der Produktion viele Millionen teuren Katalog, der in so manchen Haushalten oft das meistgelesene Druckwerk war, als Bollwerk gegen jede Art von Wirtschaftskrise schlicht überschätzt?" Die Allgemeine Zeitung aus Mainz sieht die Schuld am Untergang vor allem beim Management. "Dort hat man die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Neben den elektronischen Vertriebswegen, die nicht konsequent ausgebaut wurden, stellt sich damit auch die Frage nach dem Sortiment."

"Zuerst Neckermann, jetzt Quelle. Allein Otto, dessen Versand weiter floriert, hat überlebt", fassen die Lübecker Nachrichten zusammen und benennen den Grund: "Im Gegensatz zu den Franken haben die Hamburger frühzeitig die Chancen im Online-Handel erkannt und genutzt." Der Ruf nach Staatshilfen sei, "angesichts der Milliarden für Opel", durchaus berechtigt, aber "Wahlkampf war gestern. Heute sind die öffentlichen Kassen noch leerer. Mit dem Ende ihres Unternehmens trocknet für die Mitarbeiter nun die Einkommensquelle für sie und ihre Familien aus fürwahr ein bitteres Ende einer über lange Jahre währenden Erfolgsstory."

Der Münchner Merkur kritisiert das Verhalten von Seehofer in Zeiten des Wahlkampfes: "Nicht dass er mit dem Staatskredit für Quelle an die Grenze des ordnungspolitisch Vertretbaren ging, ist Ministerpräsident Horst Seehofer anzulasten sondern dass er es (wie einst Schröder bei Holzmann) in der effekthascherischen Pose des Retters tat. Als Seehofer im Sommer wie der Heilsbringer mit druckfrischem Quelle-Katalog bei den Beschäftigten in Nürnberg posierte und ihnen eine faire Chance versprach, war allen halbwegs Informierten klar, was eigentlich gemeint war: eine faire Wahl-Chance für die CSU." Nur Wirtschaftsminister Guttenberg widersetzte sich der Parteilinie. Aber als er es "zaghaft mit der Wahrheit versuchte, fuhren ihm wie Furien andere fränkische Polit-Matadore in die Parade, an ihrer Spitze der unvermeidliche Markus Söder. Jetzt ist die Wahl vorbei, und der tödlich verwundete Quelle-Konzern darf endlich sterben."

"Die Leidtragenden der verfehlten Unternehmenspolitik bei Quelle wie auch beim Schwesterunternehmen Karstadt sind wieder einmal die Mitarbeiter. Diejenigen, die ihnen die Misere eingebrockt haben, müssen sich dank großzügiger Gehälter und Versorgungsleistungen um ihre Zukunft wohl keine Sorgen machen. Auch Schickedanz-Tochter Madeleine, die durch den Niedergang von Karstadt und Quelle von der Milliardärin zur Millionärin abgestiegen ist, wird sicher nicht am Hungertuch nagen", kommentiert die Augsburger Allgemeine bitter.

Zusammengestellt von Katja Sembritzki