Archiv

"Mit Trippelschritten zufrieden"Der Gipfel des Vagen

25.09.2009, 22:12 Uhr

Die politischen Beobachter sind vom G20-Gipfel in Pittsburgh überwiegend enttäuscht. Zwar seien richtige Regelungen getroffen worden, der erhoffte umfassende Befreiungsschlag sei jedoch ausgeblieben.

APTOPIX-Obama-G20-Summit-Iran-PADA109-jpg4040950562577382553
Große Männer, kleine Taten: Obama, Sarkozy, Brown (von links nach rechts). (Foto: AP)

Die politischen Beobachter sind vom G20-Gipfel in Pittsburgh überwiegend enttäuscht. Zwar seien richtige Regelungen getroffen worden, der erhoffte umfassende Befreiungsschlag sei jedoch ausgeblieben.

Die Stuttgarter Zeitung unterstellt den Akteuren in Pittsburgh fehlende Visionen: "Tatsächlich sind die G-20-Länder hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben. Der Verweis auf neue Bonusregeln soll nur davon ablenken, wie wenig Mut die Politik aufbringt." Zwar gebe es erfreuliche Fortschritte, vor allem die Einwilligung der Vereinigten Staaten in die Bestimmungen von Basel II. "Dennoch bleiben diese Erklärungen vage. Das größte Versäumnis von Pittsburgh liegt darin, wichtige Reformen nicht angepackt zu haben."

Der Grund dafür ist offensichtlich, entschuldigt aber nicht das zögerliche Handeln, meint der Berliner Tagesspiegel: "Dass vieles vage bleibt, liegt natürlich daran, dass am Konferenztisch Länder mit gegensätzlichen Interessen beisammensitzen. China - um nur ein Beispiel zu nehmen - ist die Finanzmarktaufsicht egal; dafür ist der asiatische Exportriese bei Währungsfragen hellwach." Fraglich sei nur, ob man in diesem Gremium überhaupt zu umfassenden Reformen kommen kann: "Die Runde der großen 20 ist - wie die G 8, wie die Vereinten Nationen, die EU, die Nato - ständig in der Gefahr, sich darüber zu freuen, dass man nett beisammengesessen hat, und sich mit zweitbesten Lösungen und Trippelschritten zufriedenzugeben."

PIT520-G20-0925-1A-JPG233468633666597157
Gruppenbild der "Weltregierung". (Foto: REUTERS)

Selbst die vorsichtigen Regelungen, auf die sich die Gipfelteilnehmer einigen konnten, werden mit Skepsis betrachtet. Zwar wirke der Erfolg des Gipfels groß, weil die Erwartungen niedrig waren, schreibt die Thüringer Allgemeine: "Ob das Weltfinanzsystem allerdings so sicherer wird, muss sich in Zukunft erweisen. Zweifel scheinen mit jedem Tag der Konjunkturerholung mehr angebracht. An der Börse sind die Bullen los, dort hat die Gier die Angst schon besiegt.

Positiver kommentiert die Rhein-Neckar-Zeitung die Ergebnisse des Treffens. "Angela Merkel kommt nicht mit leeren Händen aus Pittsburgh zurück. Der Gipfel ist nicht gescheitert. Der Fahrplan zur Regulierung der internationalen Finanzmärkte ist deutlich konkreter geworden. Mag das Maßnahmenbündel auch noch nicht vollständig sein, die Richtung stimmt." Ob sich daraus allerdings ableiten lässt, die Gruppe sollte sich zu einer Art Weltregierung aufschwingen, bezweifelt das Blatt: "Die G20-Runde hat sich in den letzten Krisenmonaten bewährt. Der Beweis dafür, dass sie dem Anspruch auf globale Führung gerecht werden kann, steht aber noch aus."

"Ist es wirklich effektiv, die G-8-Staaten zu einer G-20-Gruppe aufzustocken?", fragt die Mageburger Volksstimme und verneint - der Widerstreit der Meinungen werde noch weiter zunehmen. Das sei aber nicht der entscheidende Punkt: "Der bisherige exklusive Klub ist nicht mehr zeitgemäß, wenn wichtige Akteure der globalen Wirtschaft außen vor bleiben. Weltwirtschaftsregierung klingt zwar aufgeblasen, dem Sinn nach stimmt es." Die Zeitung verweist auf eine ähnliche Entwicklung bei einer anderen mächtigen Organisation: "Auch beim Internationalen Währungsfonds gibt es eine wenn auch bescheidene Umgewichtung. Ein Zündfunke vielleicht, andere globale Entscheidungszentren an der Moderne auszurichten."

Quelle: Zusammengestellt von Christian Bartlau